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Schlaganfall nach Bevacizumab (AVASTIN) intravitreal

Eine 69-jährige Frau erhält wegen eines zystoiden Makulaödems bei diabetischer Retinopathie off label Bevacizumab (AVASTIN) intravitreal. Einen Tag später entwickelt sie eine schwere sensorische Aphasie. Sie wird mit Alteplase (ACTILYSE) behandelt und kann drei Tage später ohne neurologische Symptome das Krankenhaus verlassen (NETZWERK-Bericht 15.150). Der monoklonale Maus-Mensch-Antikörper Bevacizumab ist bislang nur als intravenöse Zubereitung zur Behandlung von Krebspatienten zugelassen. Unter der Anwendung verdoppelt sich das Risiko arterieller thromboembolischer Ereignisse einschließlich zerebraler Insulte, Herzinfarkte oder transitorischer ischämischer Attacken (Roche: Fachinformation AVASTIN, Stand August 2008). Bevacizumab wird aber aus Kostengründen häufig off label intravitreal bei feuchter Makuladegeneration angewendet. Eine 2005/2006 international per Internet durchgeführte Befragung zu beobachteten unerwünschten Ereignissen ergab bei insgesamt 70 Zentren 5 Berichte zu zerebrovaskulären Ereignissen in Verbindung mit der intravitrealen Injektion des Antikörpers (FUNG, A.E. et al.: Br. J. Ophthalmol. 2006; 90: 1344-9). Auch unter dem bei Makuladegeneration zugelassenen Bevacizumab-Fragment Ranibizumab (LUCENTIS) wird bei gemeinsamer Auswertung der drei zulassungsrelevanten Phase-III-Studien eine erhöhte Rate thromboembolischer Ereignisse beobachtet (Novartis: Fachinformation LUCENTIS, Stand August 2008). Das Paul-Ehrlich-Institut dokumentiert 13 Verdachtsberichte zu Schlaganfall in Verbindung mit Ranibizumab, 19 zu Bevacizumab i.v. in der Krebstherapie und keinen bei intravitrealer Anwendung (Schreiben vom 7. Jan. 2009). Aktuell werden aus Kanada 36 Spontanmeldungen über intraokuläre Störwirkungen unter Bevacizumab intravitreal berichtet, von denen 32 als schwerwiegende entzündliche Reaktion beschrieben werden (Scrip 2009; Nr. 3427: 22) - eine Komplikation, die auch für Ranibizumab bekannt ist (vgl. a-t 2007; 38: 19-22). Nicht nur zur Abschätzung des Nutzens, sondern auch für die Beurteilung der Sicherheit müssen endlich Vergleichsdaten aus randomisierten Studien mit beiden VEGF-Hemmstoffen vorgelegt werden.

© 2009 arznei-telegramm, publiziert am 16. Januar 2009

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