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Kurz und bündig

„Grippe”-Impfstoffe für 2010/11

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schweinegrippepandemie offiziell für beendet erklärt. Im Bereich der Grippeimpfstoffe kehrt wieder Normalität ein. Wie in den Winterhalbjahren zuvor werden auf Hühnereiern gezogene inaktivierte trivalente Spaltimpfstoffe mit aktualisierten Antigenen angeboten. Sie enthalten neben A(H3N2) und einer Influenza-B-Viruskomponente auch A-(H1N1)v-2009 Virusantigen, wirken also auch gegen Schweinegrippe. Dies erscheint sinnvoll, da zu erwarten ist, dass in der kommenden Saison erneut Schweinegrippeviren zirkulieren und möglicherweise dominieren werden. Die Schweinegrippe verlief in der vergangenen Saison relativ milde. Insgesamt dürfte zudem Teilimmunität gegen das Virus deutlich zugenommen haben. Wie beispielsweise in den USA wird jetzt auch in Deutschland die Impfung Schwangerer mit trivalentem Grippeimpfstoff empfohlen – bei gesunden Frauen ab dem 2. Trimenon, bei Schwangeren mit Vorerkrankungen schon ab dem 1. Trimenon (STIKO: Epid. Bull. 2010; Nr. 31: 299-309). Die Effektivität ist unzureichend durch klinische Studien geprüft und dürfte wie bei Nichtschwangeren insgesamt dürftig sein (a-t 2008; 39: 101-2). Das adjuvantierte FLUAD ist ausschließlich für Erwachsene ab 65 Jahre zugelassen. Klinische Belege fehlen, dass adjuvantierte Vakzinen tatsächlich besser schützen (a-t 2007; 38: 48). Sie verursachen aber mehr unerwünschte Wirkungen als nicht adjuvantierte Produkte. Die intradermale Vakzine INTANZA 15 µg ist nur für Personen ab 60 Jahren zugelassen. In Österreich wird zudem INTANZA 9 µg für unter 60-Jährige angeboten. Wirkvorteile für intradermalen Impfstoff sind ebenfalls nicht dokumentiert. Da lokale Störwirkungen mehrfach häufiger auftreten als bei i.m.-Injektion, sehen wir keine Anwendungsnische (a-t 2009; 40: 75). Die übrigen Influenza-Impfstoffe dürfen auch für Kinder ab sechs Monaten verwendet werden (AFLURIA ab fünf Jahren). In der Tabelle vergleichen wir die neuen saisonalen Grippevakzinen hinsichtlich Rückständen (Hilfsstoffen), Länge der Kanülen und Kosten einer Fertigspritze aus Packungen zu 1, 10 und 20 Spritzen. Die Anbieter haben die Preise der Grippeimpfstoffe innerhalb von fünf Jahren etwa verdoppelt: Wurden in der Saison 2005/06 Fertigspritzen mit nicht adjuvantierter Vakzine aus einer 10er OP sämtlich unter 10 €/Stück angeboten (a-t 2005; 36: 73-4), werden heute bis zu 20 € pro Fertigspritze gefordert. Für den Sprechstundenbedarf gibt es abhängig von Bundesland, Krankenkasse, Bestellmenge und Einkaufspreis Regelungen mit günstigeren Preisen.

© 2010 arznei-telegramm, publiziert am 20. August 2010

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