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Kurz und bündig

Mefloquin (LARIAM) nicht mehr zur Notfallselbsttherapie der Malaria

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) hat ihre Empfehlungen zur Notfallselbsttherapie der Malaria aktualisiert: "Aufgrund seines Nebenwirkungsprofils und der vorhandenen Alternativen" empfiehlt sie Mefloquin (LARIAM) jetzt nicht mehr zur notfallmäßigen Selbstbehandlung (Standby). Wenn in Gebieten mit niedrigem oder mittlerem Malariarisiko keine regelmäßige medikamentöse Prophylaxe durchgeführt wird, kommen bei malariaverdächtigen Symptomen und nicht erreichbarer ärztlicher Hilfe in Ländern wie Indien, Malaysia, den Philippinen und Thailand demnach nur noch Atovaquon + Proguanil (MALARONE) oder Artemether + Lumefantrin (RIAMET) zur Notfallselbsttherapie infrage. Eine Ausnahme sind schwangere Reisende. Grundsätzlich wird diesen zwar von touristischen Reisen in Malariaendemiegebiete abgeraten. Ist die Reise aber unumgänglich, kann Mefloquin eingenommen werden, da nicht von einem erhöhten Risiko von Fehlbildungen oder Fetotoxizität ausgegangen wird. Schwangerschaft gilt nach deutscher Fachinformation jedoch als Kontraindikation für Mefloquin, sodass über die Off-label-Anwendung aufzuklären ist. Für Atovaquon + Proguanil und Artemether + Lumefantrin fehlen ausreichende Daten für Schwangere (DTG: Empfehlungen zur Malariavorbeugung, Stand Apr. 2011; http://www.dtg.org/ uploads/media/Malaria_2011.pdf). Die Zulassung von Mefloquin zur Notfallselbsttherapie und die entsprechenden Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleiben bestehen. Wir berichteten allerdings wiederholt über psychiatrische bzw. zentralnervöse unerwünschte Wirkungen von Mefloquin einschließlich Schwindel, Angst, Depression, Halluzinationen, Aggressivität, Psychosen und Koordinationsstörungen sowie Mord und Suizid (a-t 2000; 31: 23; 2002; 33: 89-90; 2003; 34: 79-9). Die Effekte sind dosisabhängig und daher insbesondere bei therapeutischen Dosierungen relevant, also gerade bei der Selbstbehandlung im Notfall, -Red.

© 2011 arznei-telegramm, publiziert am 3. Juni 2011

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