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Kurz und bündig

"Industriefreie" Internetseiten per Medisuch?

Medisuch, nach Eigenangabe "eine der führenden deutschsprachigen Suchmaschinen für den Bereich Medizin und Gesundheit", will Qualitätsinhalte fördern, "die inhaltlich ohne industrielle Einflussnahmen sind". Mitte September teilt Medisuch dem a-t mit, dass arznei-telegramm.de dazugehöre. Es fehle lediglich die Bestätigung der Redaktion, dass das a t-Angebot industriefrei ist. Dann stehe dem kostenfreien Medisuch-Zertifikat, das zur Führung des Medisuch-Logos auf den Webseiten berechtige, nichts im Wege (Medisuch: Schreiben vom 14. September 2012). - Nur wenige Internetseiten dürften wie die des a t frei jeglicher industrieller, behördlicher oder sonstiger interessengelenkter Einflüsse sein. Impressum und Homepage deklarieren eindeutig: "ausschließlich durch Abonnements finanziert". Dennoch verzichtet das a t auf die angebotene "Zertifizierung". Auch ein Medisuch-Logo - also Werbung für eben diese Suchmaschine - hat auf den werbefreien a t-Seiten nichts zu suchen. Institutionen wie IQWiG oder AOK Hessen haben sich hingegen "zertifizieren" lassen. Die AOK Hessen feiert dies sogar unter der Überschrift "Auszeichnungen" (http://www.aok.de/hessen/die-aok/auszeichnungen-131808.php). Das Medisuch-Angebot hat aber ein Geschmäckle: Für Internetportale, die nicht gelistet werden wollen, behalten sich die Medisuch-Betreiber vor, "diesen Rückzug gegebenenfalls öffentlich zu dokumentieren". Das klingt nach schwarzer Liste, und wir empfinden die Formulierung als Nötigung. Und auch das irritiert: Die Zertifizierer "industriefreier" Internetseiten wollen ihre Seiten "durch Werbung (strikt getrennt von den Inhalten) und/oder durch Spenden finanzieren". Beides habe "keinerlei Einfluss auf die Suchergebnisse oder die Zielsetzungen" (Medisuch: Finanzierung und Intention von MediSuch.de; http://www.medisuch.de/uebermedisuchfinanzierung.asp). Eine solche Argumentation kennen wir beispielsweise auch von Zeitschriften, deren Existenz von Werbung abhängt. Weltweit verzichten jedoch unabhängige Pharmazeitschriften wie das a-t grundsätzlich auf jegliche Werbung, gerade weil Werbeeinnahmen, mit denen Zeitschriften und Internetseiten finanziert werden, Einfallstore für Beeinflussung und Abhängigkeit sind, -Red.

© 2012 arznei-telegramm, publiziert am 12. Oktober 2012

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