Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm®Die unabhängige Information zur Arzneitherapie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2014;45: 22-3nächster Artikel
Korrespondenz

VITAMIN D BEI MULTIPLER SKLEROSE (MS)?

Bei einer 21-jährigen Patientin wurde im vergangenen Jahr eine Enzephalomyelitis disseminata diagnostiziert... Die MS-Beraterin teilte ihr mit, der Vitamin-D-Spiegel sei zu kontrollieren und ggf. zu substituieren. Das sei bei MS eine Leistung der Gesetzlichen Kassen. Gibt es eine Evidenz für den Nutzen einer Vitamin-D-Behandlung bei Multipler Sklerose?

Dr. med. T. NEUGEBAUER (Facharzt für Innere Medizin)
D-75433 Maulbronn
Interessenkonflikt: keiner

Ein Zusammenhang von Vitamin D mit Multipler Sklerose (MS) wird seit Längerem diskutiert. So ist das MS-Risiko in Ländern mit höheren Breitengraden, also geringerer Sonneneinstrahlung, höher als in äquatornahen Ländern. Hierfür könnten direkte Effekte des Sonnenlichts, aber auch indirekte über Vitamin D vermittelte Wirkungen eine Rolle spielen. In verschiedenen Beobachtungsstudien zeigt sich zudem eine inverse Assoziation zwischen der Höhe des Vitamin-D-Spiegels im Blut und der Schubrate oder dem Grad der Behinderung bei MS.1 Aus solchen Befunden lassen sich aber keine Aussagen über einen Nutzen der Vitamin-D-Supplementierung bei MS ableiten. So ist zum Beispiel eine so genannte umgekehrte Kausalität, dass nämlich mit zunehmender Schwere der Erkrankung Aktivitäten im Freien und damit die Sonnenexposition abnehmen, eine denkbare Erklärung für die Assoziation. Für einen Nutzennachweis sind randomisierte kontrollierte Studien unabdingbar. Zu Vitamin D bei MS liegen bisher aber nur sehr wenige und mit maximal 60 bis 70 Patienten sehr kleine Studien vor, die, abgesehen von einer offenen Studie mit hohem Verzerrungspotenzial, keine signifikanten Effekte von Vitamin D auf die Schubrate oder das Fortschreiten der Erkrankung ergeben.1,2

∎  Derzeit lässt sich daher unseres Erachtens die Behandlung einer Multiplen Sklerose mit Vitamin D nicht begründen.

1 PIERROT-DESEILLIGNY, C. et al.: Ther. Adv. Neurol. Disord. 2013; 6: 81-116
2 POZUELO-MOYANO, B. et al.: Neuroepidemiol. 2013; 40: 147-53

© 2014 arznei-telegramm, publiziert am 14. Februar 2014

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.