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Kurz und bündig

Ethosuximid (PETNIDAN u.a.) Mittel der Wahl bei kindlichen Absencen

Absencen sind die häufigste Epilepsieform im Kindesalter. Als charakteristisch gelten häufige, wenige bis 30 Sekunden dauernde Bewusstseinsstörungen, die mit starrem Blick einhergehen, von typischen "Spikes-and-Waves" im EEG begleitet sind und durch Hyperventilation provoziert werden können. Valproat (ERGENYL, Generika) wird häufig als Mittel der Wahl angegeben, Ethosuximid (PETNIDAN u.a.) und Lamotrigin (LAMICTAL, Generika) als Alternativen (GUERRINI, R.: Lancet 2006; 367: 499-524). Die bisherige Datenlage ist jedoch unzureichend. Entsprechend uneinheitlich sind international die Empfehlungen. Eine US-amerikanische randomisierte Doppelblindstudie vergleicht jetzt die drei Antikonvulsiva bei 453 Kindern im Alter zwischen zweieinhalb und 13 Jahren mit klassischen Absencen. Die Dosis wird nach einem festen Schema bis zur Anfallsfreiheit oder bis zu limitierenden Störwirkungen gesteigert, Ethosuximid und Valproat auf maximal 60 mg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag, Lamotrigin auf maximal 12 mg/ kg KG pro Tag. Unter Ethosuximid erhalten 18% der Kinder die Maximaldosis, unter Valproat 21% und unter Lamotrigin 59%. Untersucht wird "Freiheit von Therapieversagen", wobei Therapieversagen definiert ist als Fortbestehen der Absencen bis zur 20. Woche, Auftreten generalisierter tonisch-klonischer Krämpfe, dosislimitierender oder ausgeprägter systemischer Störwirkungen oder Abbruch der Therapie seitens der Eltern oder des Arztes. Die Anfallsfreiheit muss durch Hyperventilationstests und EEG-Aufzeichnungen über eine Stunde bestätigt sein. Die Rate der Kinder ohne Therapieversagen unterscheidet sich zwischen Ethosuximid (E) und Valproat (V) nicht (53% versus 58%; p = 0,35), ist jedoch unter Lamotrigin (L) niedriger (29%; jeweils p < 0,001). Dabei persistieren Absencen unter Lamotrigin häufiger als unter Ethosuximid und Valproat (L: 47% vs. E: 14% vs. V: 12%). Intolerable Störwirkungen (L: 17% vs. E: 24% vs. V: 24%) und Studienabbrüche (L: 12% vs. E: 13% vs. V: 10%) unterscheiden sich dagegen nicht signifikant. Als sekundärer Endpunkt werden Aufmerksamkeitsstörungen erfasst. Sie sind unter Valproat (49%) häufiger als unter Ethosuximid (33%) oder Lamotrigin (24%). Auch nach Adjustierung für die Ausgangswerte schneidet Valproat noch signifikant schlechter ab als die beiden anderen Antiepileptika (jeweils p < 0,001). Zwischen letzteren findet sich kein Unterschied (p = 0,43; GLAUSER, T.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2010; 362: 790-9). Aufmerksamkeitsstörungen gelten als wesentliche Ursache für spätere Kognitionsdefizite. Nach Ansicht der Autoren und des begleitenden Editorials (VINING, E.P.G.: N. Engl. J. Med. 2010; 362: 843-5) sollte Ethosuximid künftig als Mittel der Wahl bei kindlichen Absencen gelten. Diese Einschätzung erscheint vertretbar. Zu bedenken ist allerdings, dass vergleichende Langzeitdaten weiterhin fehlen und auch unter Ethosuximid die Erfolgsrate nur wenig mehr als 50% beträgt, -Red.

© 2010 arznei-telegramm, publiziert am 12. März 2010

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