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Im Blickpunkt

DEUTSCHES GRÜNES KREUZ
... grünes Feigenblatt für Pharmamarketing

Der Name Deutsches Grünes Kreuz (DGK) ist geschickt gewählt. Das DGK gibt sich damit einen offiziellen Anstrich und versucht, vom Image des Deutschen Roten Kreuzes zu profitieren. Während das Rote Kreuz für seine humanitären Hilfeleistungen in der ganzen Welt bekannt ist, setzt das in Deutschland agierende Grüne Kreuz auf Prävention: Satzungsgemäß will es sich um "Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsaufklärung" kümmern.1

Der gemeinnützige Verein DGK ist nach Eigendarstellung "unabhängig" und keiner "kommerziellen Gruppe" verpflichtet.2 Er finanziert sich wesentlich durch Tochter-GmbHs. Unter dem Dach einer DGK Förderer GmbH, die "Auftragsarbeiten des DGK" organisiert,3 schöpft der Verein wesentliche Einnahmemöglichkeiten im Pharmabereich ab: Die medialog GmbH organisiert Symposien und Pressekonferenzen, um Ansichten von Meinungsbildnern "einem breiten Publikum bekannt" zu machen.3 Der Verlag im Kilian GmbH bietet "in enger Kooperation mit dem DGK" Kongressberichte und Ratgeber an.3 Die EDV-Tochter Pro Preventa GmbH erstellt Internetauftritte, und die DGK Service GmbH verkauft vom DGK empfohlene Produkte. Eine gute Vernetzung ist garantiert: Jeweils ein oder zwei Angehörige einer Familie von STACKELBERG sind im Vorstand des Vereins beziehungsweise Geschäftsführer der "Erwerbsgesellschaften" (GmbHs).

Ob der gemeinnützige Verein oder eine der kommerziellen GmbHs tätig wird, lässt sich oft nicht erkennen. Auf Kampagnen, Mitteilungen und Angeboten prangt das Markenzeichen: das grüne Kreuz. Werbende Botschaften werden dadurch als Information eines gemeinnützigen Vereins aufgewertet. Selbst auf den Bestellseiten des Internetshops der DGK Service GmbH steht das Grüne-Kreuz-Logo und verleiht dem Angebot eine Art Gütesiegel.

Das DGK lässt sich Aktionen von Firmen bezahlen, weist diese dabei aber nicht als Sponsoren aus, verschleiert also finanzielle Zusammenhänge und deren Größenordnung. So handelte es sich bei der mit dem grünen Kreuz geschmückten "Initiative ,Zeigt her eure Füße.' Es gibt sie. Die einfache Therapie gegen Fuß- und Nagelpilz." um eine Werbeaktion für das in der "Aufklärungsinitiative"4 nicht genannte Itraconazol-Präparat SEMPERA 7 von Janssen-Cilag (vgl. a-t 1999; Nr. 5: 55).4 Auch als die Modedesignerin Jette JOOP in Fernsehwerbespots des DGK zur Impfung gegen HPV aufrief: "... Deshalb schütze ich meine Tochter schon heute vor dem Virus, das den Krebs verursachen kann. Tun Sie es auch.",5 blieben Sponsoren und der Name des Impfstoffes unerwähnt.* Als die angeblich herstellerneutrale Aktion lief, gab es allerdings nur einen HPV-Impfstoff auf dem Markt: GARDASIL. Und dessen Hersteller gehört zu den Sponsoren der Aktion mit sechsstelligem Budget.6 "Inhaltliche Einflussnahme durch die Sponsoren wird ausgeschlossen", versichert das DGK.2 Wer aber - wie das DGK - Firmen sucht, die Kampagnen finanzieren, weiß ohnehin, was erwünscht ist, um Gelder zu erhalten. Unabhängige Nutzenbewertungen oder Hinweise auf offene Fragen, etwa zur HPV-Impfung (a-t 2008; 39: 92-4, 2009; 40: 15), sucht man in DGK-Verlautbarungen daher - wohl nicht zufällig - vergebens.

* Ähnlich agiert das Österreichische Grüne Kreuz, das derzeit die Aktion "Frisch dich auf! Volle Dosis Impfschutz für Twens!" unterstützt (http://www.frischdichauf.at). Den Sponsor Sanofi Pasteur MSD findet man erst nach Klick auf "Impressum".

Gesundheitsthemen des Vereins DGK gehen nahtlos in Angebote einer kommerziellen Tochter-GmbH über. So mündet auf den Internetseiten des DGK eine lesenswerte Information zu effektivem Sonnenschutz in den Hinweis, dass hochwertige Sonnenschutzkleidung bei der DGK Service GmbH bezogen werden kann. Ein Klick genügt. Die Service GmbH bietet auch vielfältige Nahrungsergänzungsmittel an. Das Angebot unterscheidet sich nicht von dem, was üblicherweise im Internet feilgehalten wird, von Breitband-Mikronährstoffen bis zum "lebensnotwendigen" Coenzym Q10. Flankierend propagiert das DGK eine "individualisierte Optimierung des Mikronährstoffhaushalts"7 oder ein "individuelles Anti-Aging-Programm"7, während der Verlag des DGK das zugehörige "Handbuch Anti-Aging und Prävention" verkauft.

Angebotene Produkte und Empfehlungen wecken Zweifel: So soll das Auftreten von Prostatakrebs "bei hohem Selenspiegel ganz erheblich"8 sinken. Dies entspricht nicht dem Kenntnisstand aus seriösen Studienauswertungen. Durch Selen lässt sich nach einer im vergangenen Jahr vorzeitig gestoppten Studie Prostatakarzinomen nicht vorbeugen. Es sind aber vermehrt Rezidive bösartiger Hauttumoren und ein erhöhtes Risiko dokumentiert, unter Selen an Diabetes mellitus zur erkranken (a-t 2008; 39: 123-4). Die Empfehlung eines "individuell abgestimmten"8 Hormonersatzes nach den Wechseljahren "mit Östrogen, Progesteron und sogar Androgenen oder den Muttersteroiden DHEA und Pregnenolon"8, der helfen soll, "unerwünschte Nebenwirkungen ... zu verhindern"8, erachten wir ebenfalls als bedenklich (vgl. a-t 2002; 33: 66 und 2007; 38: 65-8).

Die Verbreitung, die die Mitteilungen des DGK erzielen ist gigantisch. Nach Eigenangaben werden im Jahr mehr als eine Milliarde Exemplare Tageszeitungen erreicht sowie bis zu 1.500 Radiosendungen und etwa 200 TV-Beiträge in Zusammenarbeit mit dem DGK produziert.2 Die Veröffentlichung solcher unzureichend begründeten und zum Teil bedenklichen Behandlungsstrategien erscheint jedoch ungeeignet, "Verantwortung für die eigene Gesundheit"2 zu fördern, wie es die Ziele des Vereins vorsehen. Genau genommen müsste der Verein vor vielen der von ihm bzw. den Tochter-GmbHs propagierten Produkte und Methoden warnen, mit denen Gesunden und Kranken das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Das Deutsche Grüne Kreuz (DGK) ist ein Verein, der als gemeinnützig firmiert und sich wesentlich durch kommerzielle GmbHs finanziert.

Unter dem Deckmantel der "Prävention" propagiert der DGK-Verbund Nahrungsergänzungsmittel wie Mikronährstoffe, Anti-Aging-Mittel und andere Produkte, deren Nutzen nicht durch aussagekräftige Studien belegt ist.

Sponsoren werden nicht deklariert, beispielsweise bei Aktionen, die den Gebrauch des HPV-Impfstoffes GARDASIL und des Pilzmittels Itraconazol (SEMPERA 7) ankurbeln sollten. Dadurch wird das DGK zum verlängerten Arm des Pharmamarketings.

Wir vermissen eine eindeutige Trennung von Mitteilungen des Vereins und Angeboten der angeschlossenen (nicht gemeinnützigen) GmbHs, die durch das Markensymbol des Deutschen Grünen Kreuzes e.V. eine Art vermeintliches Qualitätssiegel erhalten.

Die wirtschaftlichen Ziele des DGK Firmenverbandes sind derart dominant, dass die Gemeinnützigkeit des Deutschen Grünen Kreuz fraglich erscheint und der Überprüfung bedarf.

 1Satzung des Deutschen Grünen Kreuz; http://dgk.de/das-dgk/satzung.html
 2DGK: http://dgk.de/das-dgk/der-verein.html
 3DGK: "Die medialog GmbH"; http://dgk.de –> Das DGK –> Tochterunternehmen
 4Janssen-Cilag: Schreiben vom 17. Mai 1999
 5Jette-Joop-Spot Gebärmutterhalskrebs, Deutsches Grünes Kreuz http://www.youtube.com/watch?v=8OfR01eO8WM
 6ACHENBACH, A.: Financial Times Deutschland, 2. Okt. 2008
 7http://dgk.de/individuelle-praevention.html
 8SCHMITT, R., HOMM, S.: "Handbuch Anti-Aging & Prävention", Verlag im Kilian, Seite 116 und 169

© 2009 arznei-telegramm, publiziert am 12. Juni 2009

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