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Korrespondenz

ZUR PROKAIN-BASEN-INFUSIONSTHERAPIE

Ich habe in letzter Zeit mehrere Anfragen für eine Prokain-Basen-Infusionstherapie bekommen. Gibt es da gesicherte Therapieempfehlungen?

N.N. (Name und Anschrift der Redaktion bekannt)
Interessenkonflikt: keiner

Die sogenannte Prokain-Basen-Infusion, d.h. die intravenöse Infusion von Prokain (PROCAIN JENAPHARM u.a.) und Natriumhydrogenkarbonat (NATRIUMHYDROGENCARBONAT B. BRAUN u.a.), soll Verfechtern zufolge unter anderem zur „Entsäuerung“, Schmerztherapie oder gar bei Krebs Verwendung finden.1 Zu keiner der beanspruchten Indikationen finden wir Wirksamkeitsbelege aus randomisierten kontrollierten Therapiestudien. Die einzige uns bekannte randomisierte Studie2 zu einer systemischen Anwendung der Kombination prüft die Wirkung einer subkutanen Infusion an gesunden Probanden anhand von Berührungs- und Schmerzreizen. Zur Beurteilung der Wirksamkeit bei Patienten ist eine solche Studie nicht geeignet. Der Paraaminobenzoesäure-Abkömmling ist zudem bekannt für Sensibilisierung und Überempfindlichkeitsreaktionen (Paragruppenallergie) und darf intravenös „nur in besonderen Einzelfällen nach sorgfältiger Abschätzung von Nutzen und Risiko“ angewendet werden.3 Angesichts fehlender Nutzenbelege und potenzieller Schadwirkungen können wir von dem Verfahren nur abraten, –Red.

(R = randomisierte Studie)
1z.B. Klinik im LEBEN: http://www.a-turl.de/?k=eelo
R2GERDEMANN, U. et al.: Schmerz 2004; 18: 189-96
3Mibe: Fachinformation PROCAIN JENAPHARM, Stand Febr. 2015

© 2019 arznei-telegramm, publiziert am 7. Juni 2019

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