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Kurz und bündig

Vitamin D – kein Schutz vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das für den Knochenstoffwechsel essenzielle Vitamin D wird seit Jahren auch zur Prävention nichtskelettaler Erkrankungen wie Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen propagiert (a-t 2010; 41: 127-9). Aussagekräftige Nutzenbelege aus randomisierten kontrollierten Studien liegen dafür aber nicht vor.1,2 Die Frage wird derzeit in mehreren großen Langzeitstudien mit jeweils mehr als 10.000 Teilnehmern geprüft. Aktuell wird die erste dieser Studien (VITAL) veröffentlicht.3 25.871 gesunde im Mittel 67-jährige Männer und Frauen nehmen nach randomisierter Zuteilung täglich 2.000 I.E. Vitamin D oder Plazebo ein.* Nach durchschnittlich 5,3 Jahren unterscheidet sich die Inzidenz von Krebserkrankungen (erster primärer Endpunkt) in der Vitamin-D-Gruppe nicht von der in der Plazebogruppe (6,1% versus 6,4%, Hazard Ratio [HR] 0,96; 95% Konfidenzintervall [CI] 0,88-1,06). Auch schwere kardiovaskuläre Ereignisse (zweiter primärer Kombinationsendpunkt aus Herzinfarkt, Schlaganfall oder kardiovaskulär bedingtem Tod) treten unter Verum nicht seltener auf als unter Scheinmedikament (3,1% vs. 3,2%; HR 0,97; 95% CI 0,85-1,12). Ebenso wenig unterscheiden sich die Ereignisraten in den sekundären Endpunkten Krebssterblichkeit (1,2% vs. 1,4%) und kardiovaskuläre Sterblichkeit (1,2% vs. 1,1%) sowie die Gesamtmortalität (3,8% vs. 3,8%). Wir sehen weiterhin keine Indikation für Vitamin D zur Prävention von Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, –Red.

(R = randomisierte Studie)
R1LAPPE, J. et al.: JAMA 2017; 317: 1234-43
R2SCRAGG, R. et al.: JAMA Cardiol. 2017; 2: 608-16
R3MANSON, J.E. et al.: N. Engl. J. Med.; online publ. am 10. Nov. 2018; doi:10.1056/NEJMoa1809944 (12 Seiten)
*Im faktoriellen Design (a-t 2008; 39: 119) wird zudem die Primärprävention mit Omega-3-Fettsäuren geprüft ( siehe Seite 100).

© 2018 arznei-telegramm, publiziert am 14. Dezember 2018

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