ERHÖHTE LUNGENKREBSRATE UNTER INHALATIVEM INSULIN EXUBERA

Das inhalative Insulin EXUBERA, dessen Vermarktung im vergangenen Oktober nach nur gut einem Jahr eingestellt wurde (a-t 2007; 38: 105), geht in klinischen Studien mit einer erhöhten Rate an Lungenkrebs einher. Seit gestern warnt der Anbieter Pfizer in den USA. Im Verlauf des Studienprogramms sind danach unter EXUBERA sechs von 4.740 Patienten an Lungenkrebs erkrankt, in den Kontrollgruppen nur einer von 4.292 (Inzidenz in kontrollierten Studien 0,13 vs. 0,02 pro 100 Patientenjahre). Alle sind ehemalige Raucher. Darüber hinaus gibt es einen Verdachtsbericht über Lungenkrebs unter dem inhalativen Insulin aus der Zeit nach Markteinführung. Die Zahlen sind klein, beinhalten jedoch ein deutliches Risikosignal. Die Langzeitsicherheit von eingeatmetem Insulin stand von Beginn an infrage. Insulin hat neben seinen metabolischen auch wachstumsfördernde Effekte. Trotz der begründeten Bedenken, dass die chronische Exposition des Lungengewebes mit Insulin Krebs fördern könnte, wurde EXUBERA ohne hinreichende Daten zur Langzeitsicherheit zugelassen (a-t 2006; 37: 53-5). Derzeit sollen im Rahmen von verlängerten Übergangsprogrammen und in klinischen Studien weltweit noch etwa 4.000 Patienten mit EXUBERA behandelt werden. Jetzt steht offenbar die endgültige Marktrücknahme bevor. Die neuen Daten dürften auch das Aus für die Entwicklung weiterer inhalativer Insuline bedeuten. Eli Lilly und Novo Nordisk haben ihre Programme bereits eingestellt. Auch die Firma Nektar, die EXUBERA mit entwickelt hat, hat jetzt die Suche nach einem neuen Vermarktungspartner beendet (1-4).


   1

Pfizer Statement on Exubera Labeling Update in the United States, 9. Apr. 2008; zu finden unter http://www.pfizer.com

   2

Pfizer: Dear Healthcare Professional Letter, 9. Apr. 2008; http://www.fda.gov/medwatch/safety/2008/Exubera_DHCP.pdf

   3

Reuters Health Information, 9. Apr. 2008

   4

Mercury News, 9. Apr. 2008



© Redaktion arznei-telegramm
blitz-a-t 10. April 2008