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Korrespondenz

NIEDERMOLEKULARE HEPARINE
ZUR THROMBOSE- UND EMBOLIEPROPHYLAXE?

Es herrscht in den Arzneimittelkommissionen verschiedener Krankenhäuser erhebliche Unsicherheit, wahrscheinlich hauptsächlich bewirkt durch Werbestrategien von Herstellerfirmen, bezüglich angeblicher Qualitätsunterschiede niedermolekularer Heparine. Wir haben uns aufgrund des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses für FRAGMIN in der Fertigspritze entschieden, werden jedoch immer wieder auf die Tatsache hingewiesen, daß diese Substanz bei der klinischen Prüfung nur gegen 2 x 5.000 CALCIPARIN getestet worden ist.
Hat dieser immer wieder vorgebrachte Einwand klinische Relevanz? Wie steht es um die Qualität der Thrombose- und Embolieprophylaxe bei diesem Medikament bei Hochrisikopatienten, z.B. in orthopädischen oder urologischen Abteilungen?

Dr. med. H. BREKER, Chefarzt Innere Medizin
W-5060 Bergisch Gladbach 1


Derzeit gibt es keinen Anhalt dafür, daß unter niedermolekularen Heparinen mehr "Therapieversager" vorkommen als unter Standardheparinen. Hiermit ist wie bei konventionellen Heparinen zu rechnen, da die niedrig dosierte Heparinisierung die Rate lebensbedrohlicher Lungenembolien zwar auf ein Drittel senkt, das Risiko aber nicht eliminiert.

Die Hersteller der Präparate CLEXANE, FRAGMIN, FRAXIPARIN oder MONO EMBOLEX argumentieren in ihrer Werbung mit umfangreichen Nachmarktstudien. Diese gewährleisten vom Design her keine hinreichende wissenschaftliche Aussage und erlauben keinen Rückschluß auf Unterschiede von Nutzen und Risiken verschiedener Präparate. Raten von "Therapieversagern" wurden nicht hinreichend genau überprüft. Hier kann man sich nur auf die gut dokumentierten Daten für konventionelle Heparine berufen.

Die verschiedenen Heparine unterscheiden sich erheblich in ihren Kosten. Die Tageskosten für die Low-dose-Standardtherapie mit 2 x 5.000 I.E. bzw. 2 x 7.500 I.E. sowie für niedermolekulare Heparine liegen bei (Klinikapothekenpreise Bremen):

Ein rasanter Kostenanstieg kommt vornehmlich durch die Indikationsausweitung der Heparinisierung auf Patienten der "Low-risk"-Gruppe zustande, bei der die Inzidenz lebensbedrohlicher Lungenembolien unter 0,1% liegt. Belege des therapeutischen Nutzens für diese Patientengruppe fehlen.

In den Zentralkrankenhäusern Bremens werden niedermolekulare Heparine hauptsächlich aus Kostengründen nicht verwendet. Bei einer Low- dose-Standardtherapie mit 2 x 5.000 bzw. 2 x 7.500 I.E. Heparin und einem Jahresverbrauch von ungefähr 500.000 DM für Heparine im Versorgungsbereich brächte die Umstellung auf MONO EMBOLEX eine Kostensteigerung um 270.000 DM, bei Umstellung auf CLEXANE 20 oder FRAXIPARIN eine solche um 600.000 DM.

Unsere Zweifel an der Unbedenklichkeit der Heparine hinsichtlich des Infektionsrisikos mit BSE (bovine spongioforme Enzephalopathie) haben wir in a-t 1 (1991), 2 begründet. Verfahren, die Heparine BSE-sicher machen, existieren derzeit nicht (–Red.).


© 1991 arznei-telegramm

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