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Korrespondenz

CARBAMAZEPIN (TEGRETAL U.A.) WIRKSAM
BEI MANISCH-DEPRESSIVEN PSYCHOSEN?

Gibt es neueste Erkenntnisse, die die Wirksamkeit von Carbamazepin (TEGRETAL u.a.) bei psychischen Erkrankungen der manisch- depressiven Art belegen? Wie sieht der neueste Stand der Therapie (bei Lithiumkarbonatversagen) aus?

U. STEHLE, Apothekerin
W-6806 Viernheim


Manisch-depressive Psychosen betreffen fast 1% der Bevölkerung. 20 bis 30% der Patienten sollen entweder nicht auf Lithium (HYPNOREX RETARD u.a.) ansprechen oder Lithium nicht vertragen.1 Von drei doppelblinden Vergleichsstudien zwischen Lithium und dem Antiepileptikum Carbamazepin (TEGRETAL u.a.) werden zwei wegen zusätzlicher Psychopharmaka-Gabe überwiegend bestehend aus Neuroleptika kritisiert. Zudem schieden zwei Drittel bis drei Viertel der untersuchten Patienten innerhalb von 12 Monaten aus. In einer Studie wirkt Carbamazepin besser als Lithium zur Prophylaxe manisch-depressiver Psychosen, in der anderen waren Carbamazepin und Lithium bei affektiven, schizoaffektiven und schizophreniformen Psychosen etwa gleich wirksam. In einer kontrollierten Studie während der Remission einer affektiven Psychose war die Lithium-Prophylaxe der Carbamazepin-Verwendung überlegen.2

Carbamazepin hat u.E. einen gewissen, aber nicht hinreichend hart belegten therapeutischen Stellenwert als Reservemittel bei manisch-depressiven Psychosen, die auf Antidepressiva nicht ausreichend ansprechen. Bei Therapieversagen oder Unverträglichkeit von Lithium kann Carbamazepin in täglichen Dosierungen von 400 bis 600 mg wirksam sein.3 Die angebotenen Handelspräparate sind für diese Indikation (noch) nicht zugelassen (–Red).

1

Scrip 1327 (1988), 27

2

MURPHY, D. J. et al.: Lancet 2 (1989), 1151

3

REYNOLDS, E. F. (ed.): MARTINDALE The Extra Pharmacopoeia, 29. Aufl. (1989), S. 402


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