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VITAMIN-D-ANALOG CALCIPOTRIOL
(PSORCUTAN SALBE) GEGEN PSORIASIS

Zur Behandlung der Schuppenflechte werden hauptsächlich topische Zubereitungen mit Dithranol (z.B. in PSORALON MT), Teer oder Kortikoide verwendet, die jedoch wegen Hautreizung, Verfärbung von Kleidung und Bettwäsche, Geruchsbelästigung bzw. Pergamenthaut und anderen Kortikoidschäden nicht immer befriedigen. Als Alternative bietet die Schering AG seit September 1992 das Vitamin-D3-Analog Calcipotriol (PSORCUTAN Salbe) an – eine Entwicklung der dänischen Firma Leo. Die Salbe sei "bisherigen Therapien in ihrer Wirksamkeit gleichwertig". Außerdem zeichne "PSORCUTAN Salbe sich durch gute lokale und systemische Verträglichkeit aus".1

KLINIK: In zwei Multicenter-Studien beeinflußte Calcipotriol-Salbe den Schweregrad der Hauterscheinungen sowie Erythem, Dicke und Schuppung etwas besser als 0,1%ige Betamethasonvalerat-Salbe (BETNESOL-V-Salbe u.a.).2,3 Auch im Vergleich mit 0,1% - 2%igen Dithranol-Externa schneidet Calcipotriol im nicht-blinden Multicentervergleich günstig ab.3 Zur Rezidivrate nach Absetzen ist wenig bekannt.4

EIGENSCHAFTEN: Calcipotriol hemmt die Proliferation von Keratinozyten. Etwa 1% des Wirkstoffs wird bei einmaliger Anwendung von PSORCUTAN Salbe absorbiert. Im Tierversuch beeinflußt Calcipotriol den Kalziumstoffwechsel etwa 100fach geringer als der natürliche Vitamin-D-Metabolit Calcitriol (ROCALTROL). Dennoch sind Dosislimitierungen einzuhalten.

DOSIERUNG UND KOSTEN: Maximal dürfen 30% der gesamten Hautfläche behandelt und pro Tag nicht mehr als 15 g und pro Woche nicht mehr als 100 g Salbe verbraucht werden bei einer maximalen Anwendungsdauer von jeweils 6 Wochen. Dies entspricht Kosten von maximal 711 DM für 6 Tuben zu 100 g (vgl. Kasten "Therapiekosten im Vergleich"). Auch bei wiederholt unterbrochener Therapie muß spätestens nach 6 Monaten ein anderes Psoriasismittel verordnet werden.5

STÖRWIRKUNGEN: Aus Tierversuchen läßt sich ableiten, daß eine fokale Kalzifizierung der Nierengefäße möglicherweise ohne Erhöhung des Kalziumserumspiegels auftreten kann.5 Erhöhte Kalziumspiegel werden auch bei Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen beschrieben, so etwa bei einer 49jährigen Frau, die innerhalb von 6 Wochen 500 g Salbe verbraucht hat.6 Die Serumkalziumspiegel sind im dreiwöchigen Abstand zu kontrollieren.

Nicht immer tritt der erwünschte Effekt ein. Schon nach kurzfristiger Anwendung kann sich die Psoriasis so verschlechtern, daß die Salbe abgesetzt werden muß.4,6 Hautreizungen mit Jucken, Brennen und Erythemen betreffen bis zu 14% der Patienten.4 Die Salbe darf nicht in das Gesicht gebracht werden, da Gesichtsdermatitiden häufig sind, selbst wenn das Mittel nur versehentlich auf die Gesichtshaut gelangt. Nach dem Auftragen auf befallene Hautareale sind daher die Hände zu waschen. Möglicherweise vertragen hellhäutige Personen mit Neigung zu Sonnenbrand und Patienten, die kurz zuvor Etretinat (TIGASON) oder längere Zeit starke Kortikoide verwendeten, Calcipotriol besonders schlecht.7

FAZIT: Calcipotriol (PSORCUTAN-Salbe) erweitert die Behandlungsmöglichkeiten der leichten bis mittelschweren Psoriasis vom Plaque-Typ. Nach den bisher geringen Erfahrungen scheint das Vitamin-D3-Analog mindestens gleich gut zu wirken wie Dithranol (z.B. in PSORALON MT) oder Kortikoid-Externa. Häufig kommt es zu Hautreizungen. Die Anwendung im Gesicht ist zu vermeiden. Wegen des Risikos von Hyperkalziämien gelten strenge Beschränkungen von Dosis und Anwendungsdauer. Weitere vergleichende Studien, insbesondere zum Vorgehen nach Absetzen von Calcipotriol, sind erforderlich. Wir bitten, Beobachtungen zu den Störwirkungen der Neuerung an das NETZWERK zu melden.


© 1992 arznei-telegramm

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