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Hyperfibrinolyse und Verbrauchskoagulopathie nach PPSB-KONZENTRAT DRK HAGEN: Ein 56jähriger Patient erhält vor einer Schulteroperation PPSB der Firma Serapharm (Hersteller: DRK Hagen) und entwickelt postoperativ eine schwere Verbrauchskoagulopathie mit nachfolgendem Multiorganversagen. Bei Überprüfung der Charge fällt eine erhöhte Konzentration an aktiviertem Faktor VII auf. Aktivierte Faktoren in Prothrombinkomplex-Präparaten gelten als Auslöser thromboembolischer Komplikationen bis hin zur Verbrauchskoagulopathie (HEINEMANN, H. et al.: Anästh. Intensivmed. 34 [1993], 130 / ati d). Dem NETZWERK gingen zwei Berichte über schwere Gerinnungsstörungen nach PPSB vom DRK Hagen zu. Fünf Stunden nach Beginn einer Faktor-IX-Komplex-Infusion (PPSB-KONZENTRAT DRK HAGEN) kommt es bei einem 32jährigen zu lebensbedrohlicher Verbrauchskoagulopathie, Hyperfibrinolyse, Thrombozytopenie, akuter respiratorischer Insuffizienz, akutem Nierenversagen und zunehmenden neurologischen Symptomen bei Verdacht auf Stammhirnschädigung (NETZWERK-Bericht 6172). Der andere Patient erhält den Prothrombinkomplex des DRK Hagen notfallmäßig wegen einer zerebralen Blutung unter MARCUMAR. Er erleidet eine schwere Hyperfibrinolyse mit Zunahme der Gehirnblutung. Durch Absetzen und Infusion eines Plasminantagonisten läßt sich die Blutung beherrschen. In der Charge finden sich große Mengen freier proteolytischer Aktivitäten (Plasmin und aktiviertes Protein C). Darüber hinaus läßt sich Plasminogen als Antigen in hoher Konzentration nachweisen (Bericht 6382). Plasmin (Fibrinolysin) löst Fibringerinnsel auf, Protein C hemmt die aktivierten Blutgerinnungsfaktoren V und VIII. Der meldende habilitierte Laborarzt kommentiert: "Beide Befunde sind außerordentlich befremdend, da die modernen Herstellungstechniken für Prothrombinkonzentrat weder Plasminogen anreichern noch darüber hinaus eine Aktivierung von proteolytischen Enzymen während des Aufarbeitungsprozesses zulassen."


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