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Korrespondenz

IMPOTENZ: WAS BRINGT YOHIMBIN
(YOHIMBIN "SPIEGEL" U.A.)?

Zu Yohimbin (YOHIMBIN "SPIEGEL" u.a.) finde ich nichts im a-t. Gibt es besondere Risiken?

Dr. med. D. v. DRIGALSKI
D-22083 Hamburg

In Westafrika wird die Rinde des Yohimbe-Baumes traditionell als Halluzinogen geraucht. Weltweit gilt die Droge (als Extrakt z.B. in PUAMIN, TONATON N) als Aphrodisiakum.1 Das Hauptalkaloid Yohimbin (YOHIMBIN "SPIEGEL" u.a.) dient zur Behandlung der Impotenz und wird in Kombination mit einem Androgen gegen "Klimakterium virile" angeboten (PLURIVIRON). In vier kontrollierten klinischen Studien bessert das alpha2-blockierende Mittel Impotenz verschiedener Ursachen bei 33% bis 62% der Anwender im Vergleich zu 13% bis 28% unter Plazebo. Allerdings bleiben Fragen offen: Während 18 (60%) von 29 Männern mit psychogener Impotenz auf dreimal täglich 6 mg Yohimbin ansprechen und nur 3 (16%) von 19 unter Plazebo, bessern sich die Beschwerden nur bei weiteren 4 (insgesamt also 7 von 19 [37%]) der zuvor Plazebo-behandelten Personen durch anschließende Einnahme des Alkaloids. Yohimbin kann peroral zentrale Erregung, Reizbarkeit, Tremor, Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz auslösen und die Wasserausscheidung durch die Nieren hemmen. Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen und Muskelkrämpfe kommen vor. Experimentell lassen sich mit Yohimbin Angstzustände und Panikattacken auslösen.2

Ein Berliner Urologe berichtet dem NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION über einen 62jährigen Mann, der auf Yohimbin mit Erregungszustand – "wie zuviel Kaffee" –, panikartiger Reaktion sowie Kribbeln der Finger reagiert (Bericht 4541). Ferner werden dem Potenzmittel Zittern im Mundbereich und Tremor der Hände (7289), Herzjagen, Schüttelfrost und Rippenschmerzen (7200), starkes Schwitzen ohne körperliche Anstrengung (7615) sowie übelriechende rektale Schleimsekretion (6456) angelastet, –Red.

1

LAWRENCE Rev. Nat. Prod., May 1993

2

Med. Letter 36 (1994), 115


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