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Fluoxetin (FLUCTIN) in der Schwangerschaft: Hinweise auf schädigende Einflüsse des im Tierversuch weder teratogen noch fetotoxisch wirkenden selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmers Fluoxetin (FLUCTIN) bei Einnahme in der Schwangerschaft fehlten bislang. Wie andere Antidepressiva dieser Stoffgruppe soll es wegen unzureichender Erfahrungen dennoch gemieden werden. Eine prospektive Kohortenstudie läßt jetzt Risiken erkennen: Kinder, deren Mütter im ersten Schwangerschaftsdrittel Fluoxetin eingenommen haben, leiden mehr als doppelt so häufig an drei und mehr geringfügigen – nicht näher beschriebenen – Fehlbildungen als Kinder aus der Kontrollgruppe ohne Exposition (15,5% vs. 6,5%). Schwere Fehlbildungen und Abort kommen in beiden Gruppen gleich häufig vor. Einnahme von Fluoxetin im letzten Trimenon scheint das Risiko perinataler Komplikationen wie Atembeschwerden, Zyanose bei Nahrungsaufnahme, vermindertes Geburtsgewicht, Nervosität u.a. zu erhöhen. Die Zahl der Frühgeburten steigt auf das Vier- bis Fünffache (CHAMBERS, C. D. et al.: N. Engl. J. Med. 335 [1996], 1010). Andere Studien bestätigen diese wegen methodischer Unzulänglichkeiten angegriffene Untersuchung nicht (ROBERT, E.: N. Engl. J. Med. 335 [1996], 1056). Im Versuch an Ratten nehmen Hämatome zu, wenn die Muttertiere Fluoxetin erhalten (Pharmacol. Biochem. & Behav. 45 [1993], 959). Vorsichtshalber wird empfohlen, bei Schwangeren mit Depressionen Antidepressiva in der Reserve zu halten und vorrangig auf psychotherapeutische Begleitung zu setzen (KUMAR, C., zit. nach MAYOR, S.: Brit. Med. J. 313 [1996], 902). Dies gilt auch für trizyklische Antidepressiva, für die Einzelberichte über Fehlbildungen vorliegen und die in Dosierungen jenseits des therapeutischen Bereichs als teratogen und embryotoxisch gelten (KASTRUP, E. K. [Hrsg.]: "Facts and Comparisons", St. Louis [USA], April 1990, Seite 262n). Bei schwerer Depression läßt sich der Gebrauch trizyklischer Antidepressiva in der Schwangerschaft jedoch oft nicht umgehen, –Red.


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