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PSYCHOSTIMULANS MODAFINIL (VIGIL) GEGEN NARKOLEPSIE

Etwa 25.000 Menschen, einer von 3.000, sollen hierzulande an imperativem Schlafdrang (Narkolepsie) leiden. Ausgeprägte Müdigkeit und häufiges Einschlafen am Tag kennzeichnen die Erkrankung. Ein Teil der Patienten leidet außerdem unter plötzlichem Tonusverlust bei Aufregung ("Lachschlag" oder Kataplexie), kurzzeitiger Unfähigkeit, sich bei klarem Bewusstsein zu bewegen ("Wachanfall" oder "Schlaflähmung"), sowie unter Halluzinationen. Die Erkrankung wird symptomatisch mit Psychostimulanzien wie Methylphenidat (RITALIN), bei Kataplexie zusätzlich mit nicht sedierenden trizyklischen Antidepressiva wie Clomipramin (ANAFRANIL u.a.) oder Imipramin (TOFRANIL u.a.) behandelt. Das im Oktober eingeführte Modafinil (VIGIL) weckt auch bei der Militärforschung Interesse - als möglicher Ersatz für Amphetamine bei militärischen Missionen mit Schlafentzug.

EIGENSCHAFTEN: Modafinil unterscheidet sich chemisch und pharmakologisch von Amphetaminen einschließlich Methylphenidat, nicht jedoch hinsichtlich des Wirktyps. Die Wirkung soll darauf beruhen, dass zentrale serotonerge Bahnen beeinflusst und die Effekte von Noradrenalin an zentralen alpha-1- Rezeptoren verstärkt werden. Alpha-1-Rezeptorenblocker wie Prazosin (MINIPRESS u.a.) beeinträchtigen die Wirksamkeit von Modafinil.

Zwei bis vier Stunden nach der Einnahme werden maximale Plasmaspiegel erreicht. Die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen 10 und 13 Stunden. Bei Leber- oder Niereninsuffizienz ist die Dosis zu reduzieren.1

KLINISCHE STUDIEN: Erfahrungen zu Modafinil liegen aus vier kontrollierten Studien mit insgesamt 418 Patienten vor.2-5 Täglich 200 mg oder 400 mg verlängern die krankheitsbedingt kurze Einschlafzeit und verringern die Zahl plötzlicher Schlafepisoden um ungefähr eine Attacke pro Tag (bei eingangs durchschnittlich 3,62 bzw. 1,83 Anfällen täglich).6 Die höhere Dosis wirkt nicht besser.2,3 Kataplektische Symptome bleiben unbeeinflusst.4 Direkte Vergleiche mit anderen Mitteln fehlen. Nach einer retrospektiven Untersuchung mit nur wenigen Patienten scheinen Methylphenidat oder Amfetamin (z.B. BIPHETAMINE [USA]) in Testsituationen die Zeit bis zum Einschlafen deutlicher zu verlängern als Modafinil.7

STÖRWIRKUNGEN: Kopfschmerzen treten dosisabhängig mit bis zu 50% am häufigsten auf, gefolgt von Übelkeit und Nervosität (jeweils 10%), Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit, Durchfall, Angst und Schwindel, seltener Tachykardie sowie Hitzewallungen. Toleranz oder Abhängigkeit sind bisher nicht beschrieben.6 Inwieweit die durch Psychostimulanzien prinzipiell gegebene Suchtgefährdung auch bei Patienten mit Narkolepsie relevant ist, bleibt offen.

KOSTEN: Verglichen mit täglich 40 mg Methylphenidat (RITALIN; 111 DM/Monat) verteuert Modafinil in der niedrigen 200-mg-Dosis die Behandlung um mehr als das Dreifache auf 370 DM pro Monat.

FAZIT: Das neue Psychostimulans Modafinil (VIGIL) verringert die Zahl plötzlicher Schlafepisoden bei Narkolepsie um etwa eine pro Tag. Direkte Vergleiche mit hierzulande gebräuchlichen Mitteln wie Methylphenidat (RITALIN) fehlen, jedoch deutet ein Vergleich mit Befunden zu Methylphenidat einen geringeren Effekt an. Störwirkungen entsprechen weitgehend denen anderer Psychostimulanzien. Im Gegensatz zu Amphetaminen kann das teure Modafinil (noch) ohne Betäubungsmittel-Rezept verordnet werden.


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