Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm®Die unabhängige Information zur Arzneitherapie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 2000; 31: 27nächster Artikel
Korrespondenz

TORASEMID (TOREM, UNAT) BESSER ALS FUROSEMID (LASIX U.A.)?

Torasemid (TOREM, UNAT) wird mit den Argumenten beworben, dass es a) weniger "Sturzdiurese" auslöse als Furosemid (LASIX u.a.) und daher von den Patienten bevorzugt werde und b) dem Furosemid überlegen sei, da dieses eine zu kurze Wirkdauer habe und daher ein Teil des filtrierten Natriums später in einer Rebound-Phase rückresorbiert werde. Ein weiteres Argument ist, dass die Resorption von Torasemid besser und vor allem konstanter ist als die von Furosemid. Gibt es gesicherte Daten, ob diese Effekte klinisch relevant sind?

Dr. B. LEHMANN
D-91522 Ansbach

Die Wirkung aller Schleifendiuretika setzt rasch ein, auch nach Einnahme per os. Als unerwünschte Folge kann plötzlicher heftiger, auch schmerzhafter Harndrang auftreten. Belege dafür, dass Torasemid (TOREM, UNAT) seltener "Sturzdiurese" auslöst als Furosemid (LASIX u.a.) und daher bevorzugt wird, finden wir nicht. Auf Nachfrage überlässt uns Hersteller Roche1 eine vorklinische Untersuchung mit sechs gesunden Freiwilligen2 sowie eine unkontrollierte Anwendungsbeobachtung, die nur auf einem Kongress vorgestellt, aber nicht veröffentlicht ist. In kontrollierten Studien mit Torasemid wird exzessives Wasserlassen bei knapp 7% dokumentiert.3

Torasemid wird mit einer Halbwertszeit von drei bis vier Stunden etwas langsamer ausgeschieden als Furosemid mit zwei Stunden.4 Nach zwei kleinen Studien, in denen die Urinvolumina innerhalb von 24 Stunden nach Einnahme von 10 mg bis 20 mg Torasemid oder 40 mg Furosemid gemessen werden, lässt auch die diuretische Wirksamkeit etwas weniger schnell nach.5 Die klinische Relevanz dieses Unterschieds ist unseres Wissens nicht überprüft. Auch Vergleichsstudien mit Retardformulierungen von Furosemid (LASIX LONG u.a.) fehlen.

Die orale Bioverfügbarkeit von Furosemid liegt zwischen 30% und 80%, von Torasemid bei 80% bis 90%. Da das Diuretikum nach klinischem Ansprechen dosiert wird, ist dieser Unterschied ohne Bedeutung. Besonders bei Stauungsherzinsuffizienz kann die Absorption von Furosemid vermindert sein. Nach einer vergleichenden Untersuchung gilt dies auch für Torasemid.6

Furosemid ist bei allen Indikationen für Schleifendiuretika besser erprobt als Torasemid.7 Ein klinisch relevanter Vorteil der teuren Neuerung lässt sich dagegen nicht erkennen.4,5,7 Torasemid kostet das Fünffache des Furosemid-Originals LASIX und das Achtfache preiswerter Nachfolgepräparate.

© 2000 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.