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Nebenwirkungen

KARDIOVASKULÄR BEDINGTER TOD UNTER AZITHROMYCIN (ZITHROMAX, GENERIKA)

Eine aktuell publizierte Kohortenstudie weist auf ein erhöhtes Risiko für kardiovaskulär bedingten Tod unter dem Makrolidantibiotikum Azithromycin (ZITHROMAX, Generika) hin. Ausgewertet werden US-amerikanische Versicherungsdaten zwischen 1992 und 2006 von Patienten im Alter von 30 bis 74 Jahren ohne lebensbedrohliche kardiovaskuläre Vorerkrankungen oder Drogenabusus.1

Für den Zeitraum von fünf Tagen nach Einlösen eines Azithromycin-Rezeptes wird gegenüber Nichtgebrauch eines Antibiotikums nahezu eine Verdreifachung des Risikos für kardiovaskulär bedingten Tod errechnet (29 kardiovaskuläre Todesfälle unter knapp 350.000 Behandlungen mit Azithromycin versus 41 während knapp 1,4 Mio. Kontrollzeiträumen ohne Antibiotikagebrauch; Hazard Ratio [HR] 2,88; 95% Konfidenzintervall [CI] 1,79-4,36), für Tod jedweder Ursache eine Steigerung um 85% (36 vs. 79 Todesfälle; HR 1,85; 95% CI 1,25-2,75). Ähnlich erhöhte Risiken unter Azithromycin zeigen sich auch im Vergleich mit dem Breitspektrumpenizillin Amoxicillin (AMOXYPEN, Generika), das die Gefährdung gegenüber Nichtanwendung von Antibiotika selbst nicht steigert, sowie im Vergleich mit dem Gyrasehemmer Ciprofloxacin (CIPROBAY, Generika). Unter Levofloxacin (TAVANIC, Generika) sind die Risiken hingegen mit denen des Makrolids vergleichbar. Das absolute Risiko ist jedoch gering: Pro eine Million Behandlungen treten in der Studie im Vergleich zu Amoxicillin 47 zusätzliche kardiovaskuläre Todesfälle unter Azithromycin auf. Nicht kardiovaskulär bedingte Todesfälle nehmen nicht zu. Auch an den Tagen 6 bis 10, an denen die Einnahme in der Regel abgeschlossen sein sollte, ist das Risiko unter Azithromycin nicht erhöht.1

Die Autoren vermuten das proarrhythmische Potenzial von Azithromycin als Ursache.1 Wie unter den Makroliden Erythromycin (INFECTOMYCIN, Generika), Clarithromycin (KLACID, Generika), Telithromycin (KETEK) und Roxithromycin (RULID, Generika) werden auch unter Azithromycin QT-Verlängerung und Torsade-de-pointes-Tachykardien beobachtet.2,3 In Verbindung mit der Anwendung von Erythromycin und Clarithromycin ist plötzlicher Herztod beschrieben.4,5 Azithromycin galt bisher aber als weniger kardiotoxisch, weil es - anders als Erythromycin, Clarithromycin und Telithromycin - keine nennenswerte Interaktion über CYP 3A4 besitzt.6 In der Fachinformation wird zwar davor gewarnt, Azithromycin bei Patienten mit bekannter QT-Verlängerung, zusammen mit QT-verlängernden Arzneimitteln, bei Elektrolytstörungen, relevanter Bradykardie, kardialen Arrhythmien oder schwerer Herzinsuffizienz anzuwenden, jedoch mit Bezug auf die Gefahr unter anderen Makroliden.7

Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde hat angekündigt, die Ergebnisse zu prüfen.8

∎  Makrolide haben bei den meisten Infektionen Reservestatus.

∎  Kardiovaskuläre Sicherheitsvorteile sind für keines der Makrolide hinreichend belegt.

1 RAY, W.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2012; 366: 1881-90
2 POLUZZI, E. et al.: Drug Saf. 2010; 33: 303-14
3 HAFFNER, S. et al.: Dtsch. Med. Wochenschr. 2002; 127: 1021
4 RAY, W.A. et al.: N. Engl. J. Med. 2004; 351: 1089-96
5 STRAUS, S.M. et al.: Eur. Heart J. 2005; 26: 2007-12
6 OWENS, R.C. Jr., NOLIN, T.D.: Clin. Infect. Dis. 2006; 43: 1603-11
7 Pfizer: Fachinformation ZITHROMAX, Stand Dez. 2011
8 FDA: Statement regarding azithromycin (Zithromax) and the risk of cardiovascular death, 17. Mai 2012
http://www.fda.gov/Drugs/DrugSafety/ucm304372.htm

© 2012 arznei-telegramm, publiziert am 1. Juni 2012

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