Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Verschen­ken Sie ein Abo des arznei-telegramm® – die unabhängige Arzneimittelinformation für Ärzte und Apotheker.
Hier geht es zum
Bestell­formular
vorheriger Artikela-t 1990; Nr.1: 3nächster Artikel
Übersicht

NEUE ANSÄTZE UND ERKENNTNISSE IN DER THERAPIE DER MULTIPLEN SKLEROSE

Die Möglichkeiten zur Behandlung der Multiplen Sklerose, einer vorwiegend in Schüben und Remissionen verlaufenden Erkrankung der weißen Substanz des zentralen Nervensystems, beleuchteten wir in Ausgabe 7 (1984), 55.

Im Bereich der sogenannten kausalen Therapieansätze haben sich zwischenzeitlich durch verschiedene Studien neue Aspekte ergeben:

  • Sehr hohe Dosen von Cortison, z.B. 500 mg Prednisolon 5 Tage lang i.v., wirken im Vergleich zu den üblichen Dosen schneller, der Langzeiteffekt ist jedoch nicht besser.1 U.E. ist diese Form der Therapie nur bei sehr schweren Schüben gerechtfertigt.
  • Das in Deutschland bisher am häufigsten verwendete Immunsuppressivum Azathioprin (IMUREK) blieb in einer britisch- holländischen Doppelblindstudie wirkungslos und sollte deshalb bei Multipler Sklerose nicht mehr verwendet werden.2


  • Ciclosporin A (SANDIMMUN) erwies sich als nicht wirksamer, aber toxischer als Azathioprin.3


  • Der Stellenwert von Cyclophosphamid (ENDOXAN) ist nach wie vor unklar. Es sollte in jedem Fall schweren Verläufen vorbehalten bleiben.


  • Cop 1, ein synthetisches Eiweißgemisch, das dem basischen Myelinprotein ähnelt, ist unter der Vorstellung einer Desensibilisierung schon viele Jahre in Erprobung. Die zuerst berichteten aufsehenerregenden günstigen Ergebnisse bei schubförmigen Verläufen4 ließen sich von anderen Autoren nicht reproduzieren, und auch dieselbe Arbeitsgruppe konnte sie bei chronisch progredienten Verläufen nicht finden.5 Das Präparat ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht erhältlich.


  • Weltweit laufen Verbundstudien zur Wirksamkeit von systemischen Interferonpräparaten. Seit Interferon gentechnologisch hergestellt werden kann, ist diese Therapie finanzierbar. Die bisher publizierten Untersuchungen überzeugen jedoch nicht,6 die Ergebnisse der wichtigen amerikanisch-kanadischen Studie stehen noch aus.


  • Im Bereich der symptomatischen Therapie hat sich die intrathekale Gabe von Baclofen (LIORESAL) bei sonst therapierefraktärer Spastik als wirksam und praktikabel erwiesen.7 Sie wird aber sehr sorgfältig ausgewählten Patienten vorbehalten bleiben.


  • Im Bereich der Außenseitermethoden sind weder kleine noch große therapeutische Neuerungen ("Wundermittel") auf dem Markt erschienen.
  • © 1990 arznei-telegramm

    Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.