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INTERAKTION VON EMBOLEX NM UND SPINALANÄSTHESIE

In letzter Zeit häufen sich bei uns die Fälle von postspinalem Kopfschmerz, obwohl wir keine Änderung in der Applikation von Spinalanästhesien vorgenommen haben. Nach üblicher Prämedikation mit Benzodiazepinen oder THALAMONAL mit Atropin und Infusion von IONOSTERIL Na 100 G wird in Seitenlage oder sitzend mit einer 25 g-Nadel punktiert, keine Mehrfachpunktionen vorgenommen, kein Liquor abgelassen. Je nach operativer Erfordernis werden bis zu 4 ml hyperbares CARBOSTESIN 0,5% appliziert. Bei diesem Vorgehen ist nach RUBIN mit postspinalem Kopfschmerz in einer Häufigkeit von 3,5% zu rechnen.

Nach Abklingen der Spinalanästhesie sind die Patienten noch beschwerdefrei, am nächsten Tag klagen aber mehr als 10% über schwerste Kopfschmerzen mit meningitischen Zeichen (ohne Fieber, ohne Leukozytose). Vom Pflegepersonal wurde auf die Koinzidenz mit der Gabe von EMBOLEX NM hingewiesen. Bei einem Patienten hat ein Auslaßversuch prompte Besserung gebracht ... Seit dem ersten Auftreten der Cephalgien hatte er auch kalte Akren...

Dr. med. D. SCHMIDT, Kreiskrankenhaus Kandel
D-6744 Kandel

Die geschilderten Symptome entsprechen hinsichtlich Qualität der Kopfschmerzen und des Brechreizes den bekannten Zeichen eines Ergotismus. Die Symptome des Meningismus waren nicht Ausdruck einer entzündlichen Reaktion. In der uns zugänglichen Literatur finden wir keine Hinweise auf ähnliche Berichte, jedoch ist die Diagnose anhand der beobachteten peripheren Durchblutungsstörungen wahrscheinlich.

Von der Spinalanästhesie sind postspinale Kopfschmerzen bekannt, ebenso sind für alle Ergotalkaloide Kopfschmerzen dokumentiert. Dafür, daß diese nach Spinalanästhesie besonders ausgeprägt sein können, spricht:

  • Spinalanästhesie führt zu einem Reizzustand der Meningen, der sich in Form postspinaler Kopfschmerzen äußert.


  • Die vasokonstriktiven Störwirkungen von Dihydroergotamin (in Kombination mit Heparin) werden vor allem in solchen Gefäßprovinzen beobachtet, in denen Gefäße entzündlich oder traumatisch verändert sind. Dies trifft demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit auf meningeale Gefäße nach Spinalanästhesie zu.

Alle Ergotalkaloide fallen auch durch Gefäßkomplikationen im ZNS, wie z.B. Ischämien und Blutungen, auf. Dieses gilt selbst für Ergotalkaloide mit dopaminerger Wirkung, wie Bromocriptin (PRAVIDEL u.a.).

Auch für Dihydroergotamin (DIHYDERGOT u.a.) ist ein vasokonstriktiver Effekt auf die Gefäße des ZNS bekannt. Eine primäre Reizung dieser Gefäße durch hyperbares CARBOSTESIN kann dabei bahnend wirken. Dies ist plausibel, jedoch liegen keine entsprechenden Berichte vor. Weitere Beobachtungen dieser Art sollten gemacht werden. Vorsichtshalber sollte bei der Spinalanästhesie auf die Gabe von Dihydroergotamin-haltigen Heparinen verzichtet werden. Ein überlegener therapeutischer Nutzen von Dihydroergotamin in Heparin-haltigen Produkten ist nicht belegt, schwere Störwirkungen hinge- gen bekannt (vgl. a-t 11 [1988], 102; 1 [1989], 6; 3 [1989], 32; –Red.).

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