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NON-HODGKIN-LYMPHOME UNTER ANTIVIRALER LANGZEITBEHANDLUNG

Eine unerwartet hohe Zahl von Non-Hodgkin-Lymphomen findet sich bei Patienten mit AIDS bzw. AIDS-related-complex, die längerfristig Zidovudin (RETROVIR) einnehmen. 8 von 55 Patienten (14,5%) entwickelten ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom nach durchschnittlich zweijähriger Zidovudin- Therapie. Die Wahrscheinlichkeit eines Lymphoms wird nach dreijähriger Behandlung auf 46% geschätzt. AIDS-Kranke mit Lymphomen hatten vor Diagnosestellung durchschnittlich 18 Monate lang weniger als 100 T4-Zellen/mm3 oder 15 Monate lang unter 50 T4-Zellen/mm3.

Zidovudin besitzt mutagene Eigenschaften. Aus Langzeitversuchen an Mäusen und Ratten sind maligne vaginale Veränderungen bekannt. Die Gleichartigkeit der unter Zidovudin beobachteten Lymphome mit denen, die üblicherweise bei HIV-Infizierten beobachtet werden, deutet jedoch darauf hin, daß eine direkt toxische Wirkung weniger wahrscheinlich ist. Sowohl unter anderen Formen der Immunsuppression als auch unter der AIDS-Behandlung mit anderen Virustatika werden Non-Hodgkin-Lymphome beschrieben.

Welchen Beitrag die unter der Therapie mit Zidovudin deutlich verlängerte Lebenserwartung von AIDS-Patienten zur Entwicklung von Non-Hodgkin- Lymphomen leistet, bleibt zu klären. Es scheint, daß sich unter einer wirksamen antiviralen Therapie Lymphome zunehmend lebensbegrenzend auswirken.

FAZIT: Unter der Langzeitbehandlung von AIDS bzw. AIDS-related-complex mit dem Virustatikum Zidovudin (RETROVIR) entwickeln sich überraschend häufig hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome. Welchen Beitrag hierzu direkte mutagene Effekte oder die durch die Therapie verlängerte Lebenserwartung leisten, bleibt zu klären.

PLUDA, J. M. et al.: Ann. Intern. Med. 113 (1990), 276


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