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NEUROLEPTIKUM PIMOZID (ORAP)
INDUZIERT HERZRHYTHMUSSTÖRUNGEN

Dem Britischen Komitee für Arzneimittelsicherheit (CSM) gingen mehrere Mitteilungen über Kammerarrhythmien und andere EKG- Veränderungen in Verbindung mit dem Neuroleptikum Pimozid (ORAP) der Firma Janssen zu. 13mal wird über plötzliche Todesfälle unter Pimozid-Medikation berichtet. Meist bestand zuvor kein Anhalt für eine Herzerkrankung. Fünf Patienten erhielten gleichzeitig andere Neuroleptika. Sieben der Betroffenen waren jünger als 30 Jahre. Bei zehn Patienten betrug die Pimozid-Dosis über 20 mg täglich.

Plötzliche Todesfälle unter Neuroleptika und Antidepressiva sind bekannt – wahrscheinlich infolge der dosisabhängigen Hemmung der Erregungsausbreitung im Myokard bei gleichzeitiger atropinartiger Wirkung auf den Sinusknoten. Dies begünstigt Dysrhythmien mit der Gefahr der Asystolie.

Pimozid besitzt mit durchschnittlich 55 Stunden eine fast dreifach so lange Halbwertszeit wie das chemisch verwandte Butyrophenonneuroleptikum Haloperidol (HALDOL u.a.). Individuell kann die Pimozid-Halbwertszeit sogar 150 Stunden betragen. Wird die Pimozid-Dosis zu rasch gesteigert, reichert sich das Neuroleptikum im Gewebe an. Das CSM empfiehlt deshalb eine Initialdosierung von 2-4 mg täglich, in akuten Situationen maximal 10 mg. Dosissteigerungen von 2-4 mg sollten in Intervallen von mindestens einer Woche vorgenommen werden. Die Tagesmaximaldosis darf 20 mg nicht überschreiten.

Vor Beginn der Therapie ist ein EKG anzufertigen. Regelmäßige Kontrollen des Herzrhythmus mittels EKG sind erforderlich, wenn die Tagesdosis 16 mg Pimozid übersteigt. Sobald Erregungsausbreitungsstörungen wie Repolarisationsstörungen oder Arrhythmien auftreten, soll die Indikationsstellung überprüft und eine Dosisverminderung sowie engmaschige Überwachung eingeleitet werden. In Ausgabe 10 (1989), 91 führten wir Pimozid unter den Arzneimitteln mit tumorigenem Potential auf.

CSM: Current Problems 29, August 1990/ati d


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