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Nebenwirkungen

LEBERSCHÄDEN DURCH LABETALOL (TRANDATE)

Leberschäden durch den kombinierten alpha- und nichtselektiv betaadrenergen Blocker Labetalol (TRANDATE) sind in der Literatur bekannt (vgl. transparenz-telegramm 1990/91, Seite 387). Eine erste Verdachtsmeldung aus den USA über eine Patientin mit Labetalol-induzierter Hepatitis mit tödlichem Leberversagen bei Reexposition deutete an, daß Labetalol mehr als die bekannten reversiblen Leberkomplikationen wie Anstieg der Leberenzyme, Cholestase oder Ikterus auslösen kann. In Japan und Portugal wurde das dort erhältliche Dilevalol, ein RR-Isomer der Isomerenmischung Labetalol, wegen zunehmender Hinweise auf Lebertoxizität vom Markt genommen.1

Der amerikanischen Gesundheitsbehörde gingen bisher 11 Verdachtsmeldungen mit Leberschäden nach Labetalol zu, davon verliefen drei tödlich.2 Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 56 Jahre. Unter den 11 Betroffenen waren neun Frauen. Die Dosierung lag im empfohlenen Dosierungsbereich von 50-600 mg pro Tag. Die ersten Symptome traten im Mittel nach 60 Tagen auf. Virale, toxische oder andere Medikamenten-induzierte Ursachen können anamnestisch und laborchemisch ausgeschlossen werden. Ein 73jähriger Mann mit tödlichem Leberversagen erhielt mit Labetalol und Hydralazin zwei Medikamente, die einen Leberschaden verursachen können. Von fünf Patienten sind histologische Leberuntersuchungen verfügbar: vier hepatozelluläre Nekrosen und eine chronisch-aktive Hepatitis. Weitere sechs Verdachtsmeldungen aus fünf Ländern wurden wegen mangelnder Übermittlung der Follow-Up-Daten von der amerikanischen Gesundheitsbehörde nicht berücksichtigt.

FAZIT: Der amerikanischen Gesundheitsbehörde gingen 11 Meldungen über Leberschäden in Verbindung mit Labetalol (TRANDATE) zu, wovon drei tödlich verliefen. In vier Berichten ist eine hepatozelluläre Nekrose histologisch gesichert, einmal eine chronisch-aktive Hepatitis. Möglicherweise sind die als selten und gewöhnlich nach Absetzen reversibel beschriebenen Leberschäden nach Labetalol schwerwiegender als bisher angenommen.

1

Scrip 1540 (1990), 24

2

CLARK, J. A. et al.: Ann. Intern. Med. 113 (1990), 210/ati d


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