Nach Drucklegung der Fenoterol (BEROTEC)-Warnung in a-t 12 (1990), 106 wurden die Ergebnisse einer plazebokontrollierten doppelblinden
Vergleichsstudie mit Fenoterol (BEROTEC), Salbutamol (SULTANOL u.a.) und Terbutalin (BRICANYL u.a.) veröffentlicht.1
10 Patienten mit mildem Asthma erhielten je 2, 6 und 18 Hübe der Dosieraerosole im Abstand von jeweils 90 Minuten, um die Dosisabhängigkeit der
erwünschten Wirkungen auf die Lungenfunktion (Atemstoßvolumen [EV], Histamin-induzierte Bronchokonstriktion) mit den dabei auftretenden
unerwünschten Effekten zu vergleichen wie z.B. auf das Herz (Herzfrequenz, QTc-Intervall), auf das Plasma-Kalium und auf subjektive Parameter wie Tremor.
Bei annähernd gleicher erwünschter Wirkung auf die Lungenfunktion nimmt die Herzfrequenz unter Fenoterol stärker zu. Das QTc-Intervall wird
stärker verkürzt, das Plasma-Kalium fällt ausgeprägter ab, und Tremor tritt häufiger auf.
Ob diese verstärkten unerwünschten Effekte auf einer relativ stärkeren Dosierung von Fenoterol pro Hub oder einer geringeren Selektivität
dessen betasympathomimetischer Wirkung beruhen, bleibt offen. Die Daten legen jedoch ein erhöhtes kardiales Risiko von Fenoterol im Vergleich zu
Salbutamol oder Terbutalin nahe. Dies wird erneut durch eine Fallkontrollstudie an 122 Asthmatoten in Neuseeland untermauert.2 In Deutschland ist
zwischenzeitlich ein BEROTEC-MITE-Aerosol mit 100 µg Fenoterol pro Hub im Handel.
Auch die Zweckmäßigkeit der präventiven Gabe von Fenoterol erscheint zweifelhaft. In einer prospektiven, doppelblinden Cross-over-Studie an 64
Patienten bessert die Dauerbehandlung mit 4 x 2 Fenoterol-Pulver (INHALETTEN; 4 x 400 µg) die Symptomatik nur bei 30% der Asthmatiker, während die
Anwendung nach Bedarf die Kontrolle der Symptomatik zu 70% verbessert.3 Die Reagibilität der Atemwege auf Methacholin war unter Dauergabe von
Fenoterol bei 85% der Patienten ausgeprägter. Unter Fenoterol verschlechterte sich die Symptomatik häufiger. Glukokortikoide mußten öfter
inhaliert werden.
FAZIT: Die Befunde weisen auf ein höheres Risiko von Fenoterol (BEROTEC) im Vergleich zu Salbutamol (SULTANOL) oder Terbutalin (BRICANYL) hin, so
daß eine Umstellung auf die weniger riskanten Alternativen erwägenswert erscheint. In Deutschland wird deshalb zwischenzeitlich ein niedriger dosiertes
(100 µg/Hub) Präparat (BEROTEC MITE) vom Hersteller propagiert. Die Daten begründen darüber hinaus generelle Zweifel am Nutzen der
andauernden Monotherapie mit Betasympathomimetika zur Prophylaxe von Asthmaanfällen im allgemeinen und mit Fenoterol im besonderen: Ein
Überdenken solcher Therapiestrategien für Asthmatiker erscheint notwendig.4 Die kunstgerechte Inhalation von Kortikosteroiden bekommt einen
höheren Stellenwert.5
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