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Korrespondenz

BETA2-SYMPATHOMIMETIKA IN DER ASTHMATHERAPIE

Es ist vorbehaltlos zu begrüßen, wenn im a-t 5 (1991), 45 gefordert wird, in der Asthmatherapie das Meiden der Auslöser (Allergene und unspezifische schädigende Reize) und die prophylaktische antientzündliche medikamentöse Therapie (je nach Gegebenheit mit Cromoglyzin und/oder inhalativen Kortikoiden, teilweise auch mit Ketotifen) zur obligaten Grundlage zu machen und nur in ganz leichten Fällen mit ganz seltenen Beschwerden eine Monobehandlung mit Beta2-Mimetika zu betreiben. Die Überzeugung von der Richtigkeit und Wichtigkeit dieser Thesen und das Bemühen um ihre Durchsetzung sollte einen aber nicht dazu verführen, das Nebenwirkungsrisiko der Beta2-Mimetika in völlig überzogener Weise hochzuspielen, wie dies jetzt teilweise geschieht.

Die Studie von WONG1 mit 26 (!) Hüben eines Beta2-Mimetikums innerhalb von 3 Stunden stellt eine völlig unphysiologische Situation dar, wirklich problematische unerwünschte Wirkungen traten trotzdem nicht auf. Diese Studie ließe sich also mit mindestens ebenso viel Berechtigung als Beweis der guten Verträglichkeit und großen therapeutischen Breite der Beta2-Mimetika anführen.

Aus den drei genannten Arbeiten1-3 und den nicht bestätigten epidemiologischen Vermutungen nun die Forderung abzuleiten, in die Beipackzettel der Beta2-Mimetika einen Hinweis auf "möglicherweise lebensbedrohliche" Nebenwirkungen aufzunehmen, ist für mich nicht nachvollziehbar, schießt über das Ziel hinaus und ist falsch verstandene "Arzneimittelsicherheit". Sie nützt den betroffenen Patienten überhaupt nichts, da sie zu keiner Verbesserung der Behandlung führt, im Gegenteil sie erzeugt eine nicht zu unterschätzende psychologische Belastung für den Einzelnen. Asthmatiker sind immer noch viel häufiger untertherapierte als übertherapierte Patienten. Diese Verhältnisse werden durch Diskussionen, wie die jetzige um die Beta2-Mimetika, in denen sensationelle aber unbestätigte Argumente (Todesfolge) immer wieder gebraucht werden, zementiert. Sie führt bei Patienten und vielen Ärzten zur Ablehnung bzw. falschen Zurückhaltung gegenüber jeglicher medikamentöser Therapie.

Bekannt ist auch, daß Beta2-Mimetika gelegentlich bei Patienten, die sich in schlechter, d.h. deutlich dyspnoischer Situation befinden, zu einer paradoxen Verschlechterung bzw. Hypoxie führen können. Daraus sind drei Konsequenzen abzuleiten:

1.  durch eine adäquate prophylaktische Therapie das Eintreten solcher Dyspnoesituationen möglichst zu vermeiden,
2.  bei trotzdem beginnender Dyspnoe frühzeitig energisch zu reagieren und
3.  in schweren Dyspnoesituationen – wenn irgend möglich – Beta2-Mimetika unter flankierender O2-Gabe anzuwenden.

Dr. H. REBMANN (Universitäts-Kinderklinik) W-7400 Tübingen

1

WONG, C. S. et al.: Lancet 336 (1990), 1396

2

HAAHTELA, T. et al.: Lancet 337 (1991), 684

3

PAGE, C. P.: Lancet 337 (1991), 717


© 1991 arznei-telegramm

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