Das Lysergsäure/Mutterkornalkaloid-Derivat Bromocriptinmesilat (PRAVIDEL) wird als Dopaminagonist an Dopaminrezeptoren z.B. in der Hypophyse
gebunden. In niedrigeren Dosen wird es zur Suppression der Laktation und bei Hyperprolaktinämie verwendet, in höheren Dosen für neurologische Indikationen wie
Morbus PARKINSON. Seine häufigsten Störwirkungen umfassen Nausea, Kopfschmerz und Benommenheit.
Weitaus schwerer wiegen die durch Bromocriptin verursachten Reaktionen an den Atemwegen. Das australische Komitee für unerwünschte Wirkungen berichtet
über neun derartige Zwischenfälle nach Bromocriptin. Drei betreffen Pleurafibrosen, vier Pleuraergüsse sowie je einer eine Pleura-/Lungenfibrose und pleuritischen
Brustschmerz. Auch eine retroperitoneale Fibrose ist dokumentiert. Weitere Retroperitonealfibrosen in Verbindung mit Bromocriptin und Wirkstoffen ähnlicher Struktur
sind literaturkundig.1
Alle aus Australien berichteten Zwischenfälle beruhen auf relativ hohen Bromocriptin-Dosierungen (täglich 20 - 30 mg zur Behandlung des Morbus PARKINSON in
Zeiträumen von 6 Monaten bis zu fast 5 Jahren im Mittel 2,5 Jahre). 8 der 10 Patienten sind männlich. Die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit ist
nur in zwei Fällen dokumentiert. Bei drei Patienten besserten sich die Beschwerden ungefähr einen Monat nach Absetzen der Medikation. Bei vier Patienten
erbrachte das Absetzen von Bromocriptin nicht die gewünschte Besserung.1
Eine Komplikation wird erstmals beschrieben: Eine gesunde junge Frau nahm ab dem ersten Tag nach der Entbindung Bromocriptin zum Abstillen. Drei Tage später
begannen wenige Minuten anhaltende schmerzhafte Episoden mit Klitorisschwellung, wenn sie sich aufrichtete.2 Hypothermie mit Kältegefühl, die bei einem
PARKINSON-Patienten unter 10 mg Bromocriptin auftrat, wird möglicherweise zu selten beachtet.3 Beide Komplikationen verschwanden nach Absetzen
von Bromocriptin und traten nach erneuter Einnahme wieder auf.
Bromocriptin (PRAVIDEL) soll nicht mehr zum Abstillen bzw. für Beschwerden in der Stillperiode verwendet werden. Hochbinden der Brust und symptomatische
Schmerzlinderung führen zu vergleichbarem Erfolg (vgl.
a-t 6 [1989], 55).
1 | Australian Adverse Drug Reactions Bulletin 10 : 2 (1991), 2 |
2 | BLIN, O. et al.: Lancet 337 (1991), 1231 |
3 | PFEIFFER, R. F.: Neurology 40 (1990), 383 |
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