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ALLERGISCHE REAKTIONEN AUF GLUKOKORTIKOIDE

Unverträglichkeitsreaktionen auf Kortikoide wie Bronchospastik und Schock (vgl. a-t 12 [1987], 110), Exantheme (vgl. a-t 12 [1988], 109) und kombinierte oder unklare allergische Reaktionen wie nicht-urtikarielle Arzneimittelexantheme und Kontaktallergien kommen immer wieder vor und sind in der Literatur für nahezu jedes Kortikoid beschrieben. Mit Mehrfachsensibilisierungen bzw. Kreuzallergien ist zu rechnen. Risikogruppen lassen sich nicht ausmachen.1,2

In einer multizentrischen Studie mit 1% Tixocortol (TIOVALON), das sich in Untersuchungen am Meerschweinchen als relativ starkes Allergen erwies,1 ergab sich in einer Standard-Epikutan-Testreihe eine unerwartet hohe Inzidenz von 1,9% Reaktionen. An Unverträglichkeitsreaktionen auf Kortikoide ist immer dann zu denken, wenn sich die Grundkrankheit unter der Behandlung verschlechtert oder Unverträglichkeiten erstmalig auftreten. Anaphylaktische Reaktionen auf das verabreichte Kortikoid könnten für manchen erfolglosen Einsatz in der Notfallmedizin verantwortlich sein.1 Systemisch verabreichte Kortikosteroide, besonders Prednisolon (SOLU DECORTIN u.a.) und Triamcinolon (VOLON A u.a.), können bei sensibilisierten Patienten eine Verschlimmerung einer Dermatitis oder Hautausschläge z. T. als Urtikaria auslösen.2

Oft bereitet es Schwierigkeiten, Symptome oder die Verschlechterung des Zustandes als Folge der Steroid-Gabe zu erkennen, beispielsweise die Verstärkung des Bronchospasmus bei Asthmapatienten oder die Verschlimmerung eines Ekzems. Neben den Kortikoiden kommen Hilfsstoffe als Auslöser in Betracht, bei Externa auch Grundlagenbestandteile oder beigemischte Pharmaka wie Neomycin. Die Diagnose erfordert oft umfassende Testungen des verdächtigten Kortikoids unter Einschluß anderer Derivate sowie der Hilfsstoffe.1 Auch bestimmte Kortikoidester wie Hemisuccinate kommen durch Koppelung an Albumine als Allergene in Betracht (vgl. a-t 12 [1987], 110).

Für das NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION erhielten wir 21 Meldungen über allergische oder anaphylaktische Reaktionen, Schockfragmente oder Schock nach den Glukokortikoiden Dexamethason (FORTECORTIN, SUPERTENDIN, AFPRED), Prednisolon (SOLU DECORTIN), Methylprednisolon (URBASON SOLUBILE FORTE) und Triamcinolon (VOLON A, DELPHIMIX 1) parenteral bzw. Tixocortol (TIOVALON) intranasal. 7 Reaktionen verliefen lebensbedrohlich. Ein anaphylaktischer Schock einer 43jährigen Frau auf Prednisolon (SOLU DECORTIN), das sie wegen Unverträglichkeit von Diclofenac erhalten hatte, endete tödlich (NETZWERK-Fall 2998).

In je zwei Berichten wurde ein weiterer Wirkstoff bzw. Hilfsstoff als allergieauslösend angesehen. Eine 65jährige Frau entwickelte einen reversiblen anaphylaktischen Schock nach Injektion von Diclofenac (DICLO-PHLOGONT) und dem Prednisolon- und Dexamethason-haltigen DEXA-PHLOGONT (NETZWERK-Fall 3376). Der Schock eines 46jährigen Mannes nach Amoxicillin (AMOXI 1000 CT) und vollständige Kollaps nach Methylprednisolon (URBASON SOLUBILE) wurde auf eine Amoxicillin-Allergie oder Reaktion auf Methylprednisolon zurückgeführt (Fall 1481). Ein 37jähriger Asthmatiker erlitt nach Triamcinoloninjektion (VOLON A SOLUBILE) einen Status asthmaticus, vermutlich ausgelöst durch den Hilfsstoff Sulfit (Fall 3572). Bei einer türkischen Frau trat nach Einnahme von Prednisolon (DELTACORTIL) erstmals eine generalisierte bullöse Urtikaria auf, nachdem sie DELTACORTIL in der Türkei gut vertragen hatte (Fall 2372).

FAZIT: Auch nach Auswertung von fast 150 literaturbekannten Mitteilungen über Unverträglichkeitsreaktionen in Verbindung mit Glukokortikoiden bleibt unklar, wie häufig Allergien tatsächlich vorkommen. Wichtig ist, bei vermeintlichen Therapieversagern oder bei Verschlechterung der Symptomatik an eine Kortikoid-bedingte Unverträglichkeit zu denken und diese durch Testung der Wirk- und Hilfsstoffe zu prüfen.

1

UTER, W.: Dermatosen 38: 3 (1990), 75

2

DUKES, M. N. G., J. K. ARONSON (Hrsg.): Side Effects of Drugs Annual 15 (1991), 139


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