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MULTISYSTEMKOMPLIKATIONEN
NACH PARENTERALER GABE
DES ANALGETIKUMS KETOROLAC (TORATEX)

Das Analgetikum Ketorolac (TORATEX) soll "die Lücke in der Schmerztherapie" schließen. Wir haben uns wegen des Risikos von Nierenversagen gegen die Verwendung des nichtsteroidalen Entzündungshemmers bei postoperativen Schmerzen ausgesprochen. Nach den Erfahrungen mit einem chemisch ähnlich strukturierten Schmerzmittel ist zudem mit einer Gefährdung durch häufiger auftretende schwere pseudoallergische und allergische Reaktionen mit Schock, Nierenversagen und anderen Komplikationen zu rechnen (a-t 7 [1992], 67). Nach unserer Warnung bestritt der pharmazeutische Anbieter vehement, daß er Ketorolac bei einer Indikation, die nach unserer Auffassung als Kontraindikation zu gelten hat, eingeführt habe. Die Häufigkeit unerwünschter Wirkungen in Form erstmaliger Reaktionen (pseudo)allergischer Art seien bei den etwa 7 Millionen Ketorolac-behandelten Patienten vergleichbar mit der bei Opioiden bzw. peripher wirkenden Analgetika.1

Inzwischen hat sich die Zahl der Anwendungen mit 16 Millionen mehr als verdoppelt. Eine Vielzahl von Todesfällen wird international mit Ketorolac in Verbindung gebracht. Wir errechnen unter Einbeziehung von über 70 Todesfällen und einer Dunkelziffer die Häufigkeit von Zwischenfällen mit Letalausgang im Bereich zwischen 1:20.000 und 1:100.000 Anwendungen. Auch in Deutschland wird eine tödliche gastrointestinale Komplikation bekannt.2 Eine an Arthralgien leidende Patientin, die ein Pyrazolon-Derivat bisher vertragen hatte und 3 x 10 mg Ketorolac einnahm, erkrankte an einem hämolytisch-urämischen Syndrom mit Vaskulitiskomponente, melden Kliniker der Universität Padua/Italien.3

Akutes Leberversagen, Nierenleistungseinschränkungen bis zum akuten Nierenversagen sowie eine Reihe schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen mit Bronchospasmus, Angioödem, Schock, Gefäßveränderungen, Urtikaria, bullöse Hauterkrankungen wie STEVENS-JOHNSON-Syndrom, myositisähnliche Symptome und Magen-Darm-Schäden mit Blutungen, Geschwürbildung und Schleimhautperforation4 widersprechen dem vom pharmazeutischen Anbieter behaupteten "günstigen Nebenwirkungsprofil".5 Ketorolac scheint besonders Patienten mit Asthma, chronischer Sinusitis bzw. Nasenpolypen und Personen im Pensionsalter zu gefährden.

Cave: Die Bilder gleichen sich: "Trifft den Schmerz und nicht den Menschen"

Wenn das mit Ketorolac (TORATEX) strukturverwandte ZOMAX nach Bekanntwerden fünf dokumentierter Todesfälle außer Handel kam, bleibt zu fragen, ob das mit dem gleichen Werbeslogan wie ZOMAX vermarktete TORATEX "trifft den Schmerz und nicht den Patienten", bei Todesfällen, die um den Faktor 15 höher liegen, verkehrsfähig bleibt.


© 1993 arznei-telegramm

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