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Korrespondenz

ZWEIFEL AN COLIBIOGEN (LAVES)

Die gynäkologische Abteilung eines Krankenhauses behandelt bei Zustand nach abdominaler Uterusexstirpation wegen Ovarial- Karzinom zur Begleitung der Chemotherapie mit dem Medikament COLIBIOGEN oral Lösung zur Immunstimulierung.
Dieses Therapieprinzip erscheint mir doch recht zweifelhaft.

Dr. med. Hubert LINTHE
W-3330 Helmstedt


COLIBIOGEN wird aus Nährmedium zur Anzüchtung von E.-coli-Bakterien hergestellt und enthält in der Lösung zum Einnehmen neben Laktose, Orangenessenz und 4,8 Vol.% Ethanol die Stoffwechselprodukte dieser Bakterien. Darunter befinden sich auch toxisch wirksame Eiweißprodukte. Solche Bakterientoxine entstehen üblicherweise auch im Darm, da dieser immer mit Coli-Bakterien besiedelt ist. Gegen Coli-Toxine schützt sich der Körper durch Verdauung der Eiweiße und/oder übliche Immunabwehrmechanismen.

Was die zusätzliche Zufuhr per os daran ändern soll, können wir nicht nachvollziehen. Gefährlich erscheint uns die parenterale Gabe, da dadurch die darmeigenen Inaktivierungsmechanismen umgangen werden.

Ein therapeutischer Nutzen der Ausscheidungsprodukte von Bakterien ist weder plausibel noch nachgewiesen. Eine Verbindung mit einer Uterusexstirpation wegen Ovarial-Karzinom herzustellen, ist uns nicht möglich. Der Uterus ist üblicherweise nicht mit E. coli besiedelt. Nicht weniger obskur sind Vorstellungen, durch Antibiotika ausgelöste Störungen der Darmflora durch die Zufuhr von Coli-Toxinen beheben zu können. Solche "Behandlungsstrategien" werden nicht dadurch sinnvoll, daß irgendwelche Labor-Parameter beeinflußt werden sollen (Red.).


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