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FORTSCHRITT IN DER BEHANDLUNG DER ECHINOKOKKOSE

Die Echinokokkose ist in Europa die gefährlichste Wurmkrankheit.1 Zwei Arten können den Menschen schädigen: Hunde- und Fuchsbandwurm, deren Larvenstadien sich in inneren Organen entwickeln.

VERBREITUNG: Der Hundebandwurm ist weltweit verbreitet, die Erkrankung kommt vor allem in Agrargesellschaften mit intensiver Schafhaltung vor. In Europa erkranken pro Jahr je nach Gegend 5 bis 100 von einer Million Einwohnern. Endemiegebiete des gefährlicheren Fuchsbandwurms sind in Europa Süddeutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich. In Baden- Württemberg und Bayern werden jährlich 100 Neuerkrankungen beobachtet.2

ÜBERTRAGUNG: Träger der geschlechtsreifen Würmer (Endwirte) sind vorwiegend Haushunde, Katzen und Füchse. Zwischenwirte, in denen sich das Finnenstadium entwickelt, sind Huf- bzw. Nagetiere. Auch der Mensch kann zum Zwischenwirt werden (Blind- oder Fehlwirt). Die Infektion erfolgt durch Aufnahme der Eier per os, etwa bei engem Kontakt mit infizierten Tieren (Kinder) oder durch Genuß kontaminierter Waldbeeren oder Pilze.2,3

FINNENSTADIUM: Die Finne des Hundebandwurms (E. granulosus) ist eine klar abgrenzbare, flüssigkeitsgefüllte Zyste. Sie findet sich vorwiegend in der Leber, gelegentlich auch in Lunge und Zentralnervensystem. Demgegenüber bildet das Finnenstadium des Fuchsbandwurms (E. multilocularis) ein alveoläres Netzwerk, das das befallene Organ, in erster Linie die Leber, wie ein Tumor infiltrativ durchsetzt und zerstört.3 Während Zysten des Hundebandwurms individuell verschieden rasch wachsen und lange stationär bleiben können, entwickelt sich die alveoläre Echinokokkose des Fuchsbandwurms progressiv mit hoher Letalität.2

THERAPIE: Auch heute noch ist die chirurgische Entfernung des Parasitengewebes Therapie der Wahl, sofern es sich radikal beseitigen läßt. Dies gelingt bei den abgrenzbaren Zysten des Hundebandwurms besser als bei den infiltrativ wachsenden Fuchsbandwurmfinnen. Seit Ende der 70er Jahre ermöglicht Mebendazol (VERMOX) eine medikamentöse Behandlung nicht operabler Echinokokkosen. Bei der alveolären Echinokokkose wirkt Mebendazol jedoch nur parasitostatisch. Daher ist hier eine lebenslange Dauertherapie oder zumindest eine Behandlung bis zur vollständigen Rückbildung aller Aktivitätszeichen erforderlich. Die Versagerquote bis zu 40% wird auf die geringe und variable Absorption zurückgeführt. Bei jedem 4. Patienten lassen sich selbst durch hohe Dosen keine hinreichenden Plasma- bzw. Gewebespiegel erzielen.

Das Anfang 1993 eingeführte Benzimidazol Albendazol (ESKAZOLE) wird zuverlässiger aufgenommen. Es überschreitet die Blut-Hirn- Schranke und erreicht im Liquor etwa 50% sowie in den intrazerebralen Echinokokkuszysten etwa 40% der Serumkonzentration.4,5 Auf die bei Mebendazol zur Dosisfindung und Dosisanpassung erforderlichen regelmäßigen Plasmaspiegelbestimmungen kann bei Albendazol verzichtet werden. In einer klinischen Studie an 51 Patienten mit zystischer Echinokokkose schneidet Albendazol mit Therapieerfolgen bei 10 (44%) von 23 Patienten besser ab als Mebendazol mit 8 (29%) von 28 Patienten. Bei 3 (13%) Personen versagte Albendazol gegenüber 12 (43%) Patienten unter Mebendazol.6

STÖREFFEKTE: Die unerwünschten Wirkungen von Albendazol scheinen nach den noch begrenzten Erfahrungen im wesentlichen denen von Mebendazol zu entsprechen: Abdominalbeschwerden wie Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und Transaminasenanstieg, ferner Schwindel, Kopfschmerzen, Haarausfall und Blutschäden wie Leukopenie und Panzytopenie.

FAZIT: Das neue Benzimidazol-Anthelminthikum Albendazol (ESKAZOLE) verbessert die Therapiechancen inoperabler oder nicht radikal operierbarer Verlaufsformen der zystischen (Hundebandwurmbefall) und alveolären (Fuchsbandwurmbefall) Echinokokkose im Vergleich zum bisher in Deutschland ausschließlich verfügbaren Mebendazol (VERMOX).


© 1993 arznei-telegramm

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