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Korrespondenz

IMMER WIEDER: MISSBRAUCH VON KATOVIT

In letzter Zeit werden gehäuft Patienten mit Abhängigkeitssymptomen nach der Einnahme von KATOVIT N Dragees in eine von uns versorgte psychiatrische Klinik eingeliefert. Nach der Entlassung dieser Patienten besteht die Möglichkeit, uneingeschränkt KATOVIT N Dragees zu kaufen und damit erneut Abhängigkeitssymptome zu entwickeln.

Wir selbst machen zunehmend in unserer Apotheke die Beobachtung, daß von Jugendlichen Katovit Dragees (meist gleich 50 Stück) käuflich erworben werden. Es wäre wünschenswert, dieses Präparat schnellstens unter die Verschreibungspflicht zu stellen, um zunehmendem Mißbrauch vorzubeugen.

S. KORDMANN (Apothekerin)
moltke-apotheke
W-4830 Gütersloh 1

Wir halten Prolintan (KATOVIT N) für ein entbehrliches Stimulans. Vor 20 Jahren berichteten wir erstmals über mißbräuchliche Verwendung des auch heute noch nicht verschreibungspflichtigen Mittels durch Jugendliche (a-t 9 [1972], 38). Chemisch dem Dextroamphetamin nahestehend wirkt Prolintan stärker stimulierend als Koffein. Indikationsangaben wie "Erschöpfungszustände" und "Leistungsminderung" mögen die Fehlanwendung begünstigen (vgl. Arzneimittelkursbuch '92/93, Seite 398). Intravenöser Mißbrauch kommt vor.

Für unser NETZWERK DER GEGENSEITIGEN INFORMATION erhielten wir bislang neun Berichte über Mißbrauch bzw. Abhängigkeit von KATOVIT. Zwei Patienten mit schizoaffektiver Psychose und Borderline-Psychose reagierten auf mißbräuchliche KATOVIT- Einnahme mit bis zu drei Tage anhaltenden psychoseähnlichen Erregungszuständen, Eigengefährdung, Tachykardien mit Pulsfrequenzen bis über 160/min und Schlaflosigkeit (NETZWERK-Berichte 6482 und 6483). Ein Essener Apotheker berichtet: "Der junge Mann rast mit seinem Auto fast in eine Passantengruppe, springt aus dem Wagen, drängt sich vor wartende Kunden am Notdienstschalter der Apotheke (Samstagabend 22 Uhr) und verlangt KATOVIT in eindeutiger Abusus-Absicht" (Bericht 3025) –Red.


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