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Korrespondenz

SCHÜTZT ACICLOVIR (ZOVIRAX) VOR ZOSTERNEURALGIE?

Inwieweit besitzt das Präparat Aciclovir eine prophylaktische Wirkung bei der Zosterneuralgie bzw. bis zu welchem Stadium des Zosters erscheint der Beginn einer Aciclovirtherapie sinnvoll?

D. ORTH (AIP)
St. Ansgar-Krankenhaus, Inn. Abt.
D-37671 Höxter


In einer plazebokontrollierten Studie an 364 Patienten verkürzt Aciclovir (ZOVIRAX, 5 x 800 mg für sieben Tage, Therapiebeginn innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der Effloreszenzen) die Dauer der Ausschlagphasen geringfügig und mindert den akuten erruptionsassoziierten Schmerz während der Therapie, hat aber keinen Einfluß auf Häufigkeit und Ausprägung der postherpetischen Neuralgie. In zwei kleineren kontrollierten Studien kürzt Aciclovir (Therapiebeginn innerhalb von 72 Stunden) die Dauer des Ausschlages und der akuten Symptome ab und beeinflußt grenzwertig die Häufigkeit der postherpetischen Neuralgie – jedoch nur in den ersten drei Monaten. In den folgenden drei Monaten findet sich kein Unterschied zwischen Plazebo- und Verumgruppen mehr. In keiner der beiden Studien reduziert Aciclovir den Bedarf an Analgetika.1

Da Aciclovir lediglich den akuten Krankheitsverlauf grenzwertig abkürzt, jedoch keinen Einfluß hat auf die klinisch wichtige langfristige Zosterneuralgie, erscheint seine Anwendung bei ansonsten gesunden Patienten mit Herpes zoster nicht gerechtfertigt. Hier reichen symptomatische Maßnahmen (z.B. Antiphlogistika) nach Ausschluß eines das Virus aktivierenden Grundleidens aus.2 Eine Ausnahme bildet der Zoster des Auges. Aciclovir vermindert die Rate der Komplikationen, die zu Blindheit führen können, –Red.

1  Drug Ther. Bull. 30 (1992), 101/ati d
2  SUCHENWIRTH, R. M. A.: internist. prax. 33 (1993), 624


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