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Korrespondenz

FESTE SPENDERPOOLS FÜR BLUTPLASMA

Man sollte darauf hinweisen, daß die Problematik HIV-kontaminierter Plasmaspenden schon seit längerer Zeit erkannt worden ist und auch Lösungsvorschläge vorliegen, die das Risiko entscheidend vermindern. Wir haben 1987 ein Verfahren entwickelt und Mitte 1989 veröffentlicht,1 daß nicht nur die erst jetzt breiter diskutierte Karenzlagerung beinhaltet, sondern darüber hinaus gewährleistet, daß die weitaus meisten Patienten nur Plasma von einem einzigen Spender erhalten. Zumindest in einigen Kliniken in Deutschland wird dieses Verfahren nun schon seit über sechs Jahren durchgeführt. Über einen Zeitraum von acht bis neun Monaten wird das Plasma von Einzelspendern gesammelt, so daß nach dieser Zeit etwa 6.000 bis 8.000 ml Plasma zur Verfügung stehen. Dieses Plasma wird dann im Krankenhaus gelagert und steht bei Bedarf für den einzelnen Patienten zur Verfügung.

Diese Möglichkeit wird selbst heute nicht angesprochen. Der entscheidende Grund hierfür liegt wohl darin, daß die DRK-Zentralen nicht in der Lage sind, Einzelspenderplasmen zu sammeln, weil sie einen großen Teil der Spender nur einmal oder in großen, unregelmäßigen Abständen rekrutieren.

Die Plasmaspende (Plasmapherese) erfordert einen erheblich größeren Zeitaufwand als die Blutspende. Es ist ernsthaft keinem noch so gutwilligen freiwilligen Spender, insbesondere aber Berufstätigen, zuzumuten, auf die Dauer alle drei bis vier Wochen einen halben Tag ohne jede Aufwandsentschädigung zu opfern. Die Forderung, nur noch kostenlose Spenden zuzulassen, erhöht deshalb nicht die Sicherheit der Blut/Plasmaspende, sondern vermindert sie sogar, da hierdurch die Einzelplasmaspende faktisch verhindert wird.

1   TRYBA, M.: Anästhesist 38 (1989), 553

Prof. Dr. M. TRYBA
BG-Kliniken Bergmannsheil – Universitätsklink
D-44789 Bochum


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