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Warnhinweis

PANKREATIN (KREON 25.000 U.A.) HOCHDOSIERT:
DARMEINENGUNGEN

Mukoviszidosekranke mit klinisch auffälliger Pankreasinsuffizienz benötigen lipasehaltiges Pankreatin zur Substitution fehlender Verdauungsenzyme. Um die benötigten Dosen zuzuführen, haben sich hochdosierte Zubereitungen wie KREON 25.000 oder PANZYTRAT 25.000 durchgesetzt.

Gut ein Jahr nach Wechsel auf ein Pankreatin-Präparat mit hohem Lipasegehalt werden in Liverpool fünf 2- bis 13jährige mukoviszidosekranke Jungen mit kolikartigen Bauchschmerzen und Zeichen eines Darmverschlusses stationär aufgenommen. Bei vier der Kinder engen Fibrosen das aufsteigende Kolon ein, so daß der betroffene Darmabschnitt entfernt werden muß. Die feingewebliche Untersuchung zeigt für postischämische Ulkusheilung typische Befunde. Auch dem fünften Kind mit Entzündungen und Verklebungen von Dünndarm und Caecum müssen Teile des Darms entfernt werden.1 Ähnliche Komplikationen betreffen zwei weitere Kinder mit der Stoffwechselkrankheit.2,3 Aus Dänemark wird über vier Personen mit Kolitis unter hochdosiertem Pankreatin berichtet.4

Möglicherweise greift in den Dickdarm gelangtes proteasehaltiges Pankreatin die Schleimhaut an,3 oder ein veränderter gastrointestinaler Schleim führt zu festeren größeren Stuhlmassen, die den Darm weiten und die Durchblutung der Schleimhaut beeinträchtigen.1 Die Störwirkung wurde bisher nicht in Verbindung mit niedriger dosierten Enzympräparaten oder bei Patienten mit Pankreasinsuffizienz anderer Ursache beobachtet.2 Das britische Committee on Safety of Medicines rät, Mukoviszidose-Patienten auf niedriger dosierte Lipasepräparate (KREON u.a.) umzustellen.4

FAZIT: Sieben Kinder mit Mukoviszidose entwickeln nach Wechsel von niedrig- auf hochdosierte Pankreatinpräparate (KREON 25.000, PANZYTRAT 25.000 u.a.) Dickdarmentzündungen mit Strikturen. Für Patienten mit der erblichen Stoffwechselkrankheit werden bei Pankreasinsuffizienz vorsichtshalber niedriger konzentrierte Präparate (COTAZYM u.a.) empfohlen, von denen dann mehr eingenommen werden muß.

1

SMYTH, R. L. et al.: Lancet 343 (1994), 85

2

OADES, P. J. et al.: Lancet 343 (1994), 109

3

CAMPBELL, C. A. et al.: Lancet 343 (1994), 109

4

Scrip 1888 (1994), 23


© 1994 arznei-telegramm

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