Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
Bis zu 36 CME-Punkte pro Jahr für Ärzte und 12 Fortbildungspunkte für Apotheker mit dem arznei-telegramm®!
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1994; Nr. 3: 31nächster Artikel
Dokumentation

AIDS DURCH FAKTOR VIII VON IMMUNO –
ERKENNTNISSTAND IM JAHR 1983 (!)

Bei einem Hämophilie-A-Patienten diagnostizierten Mitarbeiter einer österreichischen Universitätsklinik "immunologische Veränderungen, die auch beim Aquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS) beobachtet wurden". Der am 6. Juni 1983 (!) geschriebene Klinikbericht dokumentiert den damaligen Erkenntnisstand:

Die oben beschriebenen Effloreszenzen im Bereiche des rechten Fußes erwiesen sich als Pilzinfektion (eine Kultur wurde an der I. Haut-Klinik abgenommen).

Bei dem Patienten, Herrn bestehen Veränderungen des Immunsystems, die möglicherweise durch ein infektiöses Agens, das in Faktor VIII-Präparaten vorhanden sein könnte, verursacht werden. Bei diesen infektiösen Agens handelt es sich möglicher- weise um ein Virus. Z.Zt. ist ein virussicheres Faktor-VIII-Präparat auf dem Markt (Faktor-VIII-HS von Behring). Die Verabreichung dieses hochgereinigten Präparates würde wahrscheinlich die weitere Übertragung infektiöser Agentien verhindern und auf längere Sicht möglicherweise eine Verbesserung der immunologischen Befunde ermöglichen. Es erscheint uns daher wichtig, den Patienten auf dieses Präparat umzustellen und die Dauersubstitution mit Faktor-VIII wegen verstärkter Blutungsgefahr bei Thrombopenie konsequent durchzuführen.

Diagnosen:
Schwere Haemophilie A ohne Hemmstoff
Schwere Thrombozytopenie
Pilzinfektion des rechten Fußes.
Haemophile Arthropathie insbesondere des linken Ellenbogengelenkes.

Therapie:
Dauersubstitution mit hepatitissicherem Faktor-VIII-Präparat.
Engmaschige Kontrolle der Thrombozytenwerte.

Der Einsender des Klinikberichts merkt an: Es kann "kein Zweifel mehr bestehen, daß die Verantwortlichen der Immuno AG Mitte 1983 gewußt haben, daß ihr Präparat eine – in diesem Arztbericht doch recht präzise beschriebene – Infektion auslöst und völlig klar war, daß ein besseres Präparat zur Verfügung steht". Die Immuno AG hätte dies "den Ärzten, Apothekern und Betroffenen (Beipackzettel) ausdrücklich mitteilen und eigentlich vor der Anwendung ihres Präparates warnen" müssen.


© 1994 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1994; Nr. 3: 31nächster Artikel