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Korrespondenz

MÄNNLICHE UNFRUCHTBARKEIT: PSYCHOLOGISCHE ASPEKTE

Der sehr detaillierten Darstellung der Hintergründe männlicher Unfruchtbarkeit möchte ich den psychologischen Aspekt des unerfüllten Kinderwunsches hinzufügen.

Bei ca. 50% der kinderlosen Ehen liegen weder beim Mann noch bei der Frau organische Hindernisse für eine Konzeption vor.1 Die Wahrscheinlichkeit für Frauen steriler Paare, innerhalb von sieben Jahren ohne jegliche Behandlung schwanger zu werden, liegt bei etwa 36%.2 Nur 10% der beobachteten Schwangerschaften einer Sterilitätssprechstunde sind nach STAUBER aufgrund von medizinischen Maßnahmen entstanden.3 ...
SARREL und DECHERNEY erreichten bei Paaren... bei Nichtvorliegen somatischer Sterilitätsursachen durch die Teilnahme an psychotherapeutischen Gesprächen eine höhere Schwangerschaftsrate als in der Kontrollgruppe.4

Auch beim Nachweis organischer Ursachen wie z.B. einer Azoospermie ist der Einfluß der Diagnose auf das Sexualverhalten der Paare nicht zu unterschätzen. Die Kränkung, die in der fehlenden fertilen Funktionsfähigkeit eines der Partner begründet liegt, läßt die sexuelle Aktivität nicht unberührt. So beschreibt STAUBER5 die Abnahme sexueller Aktivitäten in der Partnerschaft sowie die Zunahme von Erektions-, Orgasmus- und Ejakulationsstörungen. Immer wieder können Psychotherapeuten davon berichten, daß Männer mit einer nachgewiesenen Azoospermie, die wegen anderer psychischer Störungen eine Psychotherapie aufgesucht haben, im Verlaufe der Behandlung Vater werden. BENTS et al. berichten darüber, daß sich bei fünf von 16 Paaren im Verlauf einer mehrwöchigen Paartherapie eine Schwangerschaft einstellte.6

Auch wenn testpsychologische Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen psychischer Befindlichkeit und Spermiogenese nicht nachweisen konnten, zeigen die Ergebnisse psychotherapeutischer Interventionen einen ermutigenden positiven Einfluß.

Dr. med. K. RODEWIG
Niedersächsisches Landeskrankenhaus Tiefenbrunn
D-37124 Rosdorf/Göttingen


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