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TOPISCHE KORTIKOIDE
MOMETASON (ECURAL) UND FLUTICASON (FLUTIVATE)

In Deutschland stehen mehr als 30 Kortikosteroide in rund 200 Einstoffpräparaten zur lokalen Anwendung für die Behandlung von Ekzemen, Dermatitiden, Psoriasis und anderen steroidempfindlichen Hauterkrankungen zur Wahl. In den letzten zwei Jahren kamen zwei stark wirksame halogenierte Prednisolonabkömmlinge hinzu. Die Faustregel, je potenter ein Wirkstoff, desto schwerer die Störwirkungen,1 will Essex Pharma für das nur einmal täglich anzuwendende Mometason (ECURAL) nicht gelten lassen: "Das Paradoxon einer hohen Wirksamkeit, verbunden mit hervorragender lokaler und systemischer Verträglichkeit".2 Für das unter dem Warenzeichen FLUTIDE auch zur Inhalation bei Asthma verwendete Fluticason empfiehlt Glaxo in Deutschland den zweimal täglichen Gebrauch als Lokalkortikoid (FLUTIVATE). In anderen Ländern ist es ebenfalls zur einmal täglichen Anwendung vorgesehen.1

KLINISCHER NUTZEN: In mehreren Vergleichsstudien erweist sich Mometason einmal täglich bei Psoriasis und atopischem Ekzem gegenüber zweimal täglich Betamethasonvalerat 0,1% (BETNESOL-V u.a.) und Triamcinolon 0,1% (VOLON A u.a.) als mindestens gleich wirksam. Schwachen Kortikoiden wie 1%igem Hydrokortison (SANATISON MONO 1% u.a.) ist es erwartungsgemäß überlegen.1,3

Für Fluticason fehlen veröffentlichte Vergleichsstudien. Der wissenschaftliche Prospekt verweist auf hausinterne "Reports", nach denen Fluticason zweimal täglich gleich gut wirken soll wie die potenten Kortikoide Betamethasondipropionat 0,05% (DIPROSONE u.a.) und -valerat 0,1% und rascher als das mittelstarke Hydrokortisonbutyrat 0,1% (ALFASONE u.a.).4

STÖRWIRKUNGEN: Mometason weist die typischen unerwünschten Kortikoid-Effekte einschließlich erniedrigter Plasmakortisol-Spiegel und Hautatrophien auf. Die Fachinformation gibt unzureichend Auskunft: Lokale Störwirkungen sollen selten bis sehr selten auftreten, systemische Resorption mit möglicher Nebennierenrindensuppression "kann beobachtet werden".2 Tatsächlich werden in einer Studie bei 3 (9%) von 33 Patienten erniedrigte Kortisolkonzentrationen festgestellt. Hautatrophiezeichen finden sich nach drei Wochen bei 7 (1,7%) von 413 Psoriatikern.1

Lokale Unverträglichkeiten einschließlich Juckreiz und Brennen treten unter Fluticason häufig auf (bis 4,7%).4 Eine Beeinflussung der Nebennierenrindenfunktion soll – so die Fachinformation – auch unter "extrem hoher" Dosierung nicht vorgekommen sein.4

FAZIT: Die neueren örtlich anzuwendenden stark wirksamen Kortikoide Mometason (ECURAL) und Fluticason (FLUTIVATE) wirken gleich gut wie bewährte ähnlich starke Kortikoide, z.B. Betamethasonvalerat (BETNESOL-V u.a.). Mometason braucht offenbar nur einmal täglich aufgetragen zu werden und wäre daher relativ kostengünstig (siehe Kasten). Besondere Verträglichkeitsvorteile lassen sich für beide Kortikoide nicht absichern. Fluticason wird auf der Basis der "Tresorwissenschaft" eingeführt: Veröffentlichte Erfahrungen fehlen. Die Verordnung von FLUTIVATE halten wir solange nicht für ratsam, bis gesicherte Erkenntnisse publiziert sind.

1

Drug Ther. Bull. 33 (1995), 21

2

ECURAL, wiss. Prosp. von Essex Pharma, 770004-1/93-30.0

3

VERNON, H. J. et al.: J. Am. Acad. Dermatol. 24 (1991), 603

4

FLUTIVATE, wiss. Prosp. von Glaxo 0334 PD 001 A, 4/94


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