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Ist die intramuskuläre Injektion überholt? Gemessen an der Zahl der Verabreichungen hat die 1882 eingeführte intramuskuläre (i.m.) Injektion heute noch Bedeutung. Komplikationen beinhalten Nervenschäden, versehentliche intraarterielle Injektion, Hämatome, Fettgewebsnekrosen, Abszesse und Sepsis. In einer Schweizer Klinik werden zwischen 1988 und 1993 sechs Patienten mit Staphylococcus-aureus-Sepsis behandelt, die zuvor ein nichtsteroidales Antirheumatikum, am häufigsten Diclofenac (VOLTAREN u.a.), ein Depot-Kortikoid oder Ampicillin (BINOTAL u.a.) in die Glutealregion injiziert bekommen hatten. Eine Patientin verstirbt, zwei leiden noch jahrelang unter wiederaufflammenden Abszessen und septischen Schüben. Besonders für Menschen im Rentenalter ist die Gefahr einer nicht beherrschbaren Staphylococcus-aureus-Sepsis mit einem Mortalitätsrisiko von über 60% groß. Erhöhte Infektanfälligkeit, Diabetes mellitus, metastasierende Karzinome, chronische Niereninsuffizienz und verschiedene Dermatitiden scheinen der Staphylokokkensepsis Vorschub zu leisten. Neben nichtsteroidalen Entzündungshemmern gelten Depotkortikoide, Antibiotika und Vitamin B12 (CYTOBION u.a.) als komplikationsträchtig bei Verabfolgung in die Muskulatur. Verzicht auf überflüssige Injektionen ist der beste Schutz. Nach Einnahme einer wässrigen Diclofenaclösung werden die maximalen Plasmakonzentrationen genauso rasch (10 bis 20 Minuten) erreicht wie nach i.m.-Gabe. Arzneimittel sollen nur intramuskulär injiziert werden, wenn keine enterale oder intravenöse Alternative besteht, gewichtige Compliance-Probleme vorliegen, die Einnahme per os unmöglich (z.B. Erbrechen) oder ein venöser Zugang schwer zu finden (z.B. Pädiatrie) ist (ROSSI, L., D. CONEN: Schweiz. Med. Wochenschr. 125 [1995], 1477/ati d).


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