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Magnesiumpräparate und Selbstmedikation: 1993 lag MAGNESIUM VERLA mit 5 Millionen Packungen auf Rang 14 der meistverkauften Arzneimittel (a-t 9 [1994], 82). Hersteller nennen für die auch bei Laien beworbenen Magnesiumpräparate Phantasieindikationen wie Lipidsenkung, Asthma, Hypertonie, Leberzirrhose, Migräne, Menstruationsbeschwerden, Depression, Schwindel und Lärmempfindlichkeit. Es handelt sich jedoch nicht um harmlose Plazebodarreichungen. Erkrankungen des oberen Magen-Darm-Trakts und gleichzeitige Einnahme motilitätshemmender Mittel wie Anticholinergika können die Aufnahme von Magnesium aus dem Darm deutlich erhöhen mit dem Risiko einer Hypermagnesiämie auch bei normaler Nierenfunktion. Symptome einer Überdosierung betreffen den Verdauungstrakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung bis zum Darmverschluß), die Atmung (Atemlähmung), das ZNS (Muskelschwäche, Reflexausfälle, Lähmungen, Verwirrtheit, Koma) und das Herz (Bradykardie, Herzstillstand). Einige dieser Folgen wie Übelkeit oder zunehmende Darmträgheit können von Betroffenen fehlgedeutet werden und Anlaß sein, die Dosis der rezeptfreien Präparate zu erhöhen. Da das klinische Erscheinungsbild der Magnesiumüberladung viele Erkrankungen nachahmt, werden Intoxikationen leicht verkannt und bei Erhebung der Vorgeschichte nicht berücksichtigt. Laien halten die im Rahmen der Selbstmedikation eingenommenen magnesiumhaltigen Präparate einschließlich Antazida wie Magaldrat (RIOPAN u.a.) häufig nicht für erwähnenswert (FUNG, M. C. et al.: Arch. Fam. Med. 4 [1995], 718/ati d).


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