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Dosierung von Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft: Ungeachtet der bekannten vielfältigen Beeinflussungen des Schilddrüsenhaushalts in der Schwangerschaft fehlen einheitliche Empfehlungen zu möglichen Dosisänderungen für hypothyreote Frauen. Produktinformationen wie die Rote Liste 95 geben keine Hilfestellung. Eine prospektive Studie untersucht 20 schwangere Frauen mit vorangegangener operativer Schilddrüsenentfernung und/oder Radiojodtherapie zumeist wegen Schilddrüsenkarzinom oder Morbus BASEDOW. Während die Hormonspiegel vor der Schwangerschaft gut eingestellt waren, fallen nun bei allen Frauen niedrignormale L-Thyroxin- und erhöhte TSH-Konzentrationen auf. Sie erfordern eine durchschnittliche Dosissteigerung um ein Drittel. Da die Veränderungen von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sind, muß die Hormonmenge regelmäßig dem TSH-Spiegel angepaßt werden. Dosissteigerungen und Gewichtszunahme korrelieren nicht. Nach der Entbindung wird die Dosis wieder auf den Ausgangswert reduziert. Aufgrund ihrer vorangegangenen Behandlung fehlen den Frauen Anpassungsmöglichkeiten an den veränderten Hormonbedarf. Normalerweise stimuliert das Choriongonadotropin (HCG) die Schilddrüse in den ersten Wochen nach der Empfängnis zu vermehrter L- Thyroxin-Ausschüttung. Östrogene wiederum bewirken ab Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels über eine Zunahme des thyroxinbindenden Globulins ein Absinken des freien wirksamen Hormons mit nachfolgender TSH-Gegenregulation. Die L-Thyroxin- und TSH-Werte bleiben dabei in der Regel im Normbereich. Auch Schwangere, die wegen einer Struma Schilddrüsenhormone zur TSH-Suppression erhalten, verfügen über eine ausreichende Reserve. Nehmen Frauen zusätzlich eisenhaltige Vitaminpräparate ein, sollen sie aufgrund der Interaktion von Eisen mit der Thyroxinresorption einen möglichst großen zeitlichen Abstand einhalten – am besten ein Mittel morgens, das andere am Abend (BURROW, G. N. et al.: N. Engl. J. Med. 331 [1994], 1072; MCDOUGALL, R., N. MACLIN: J. Fam. Pract. 41 [1995], 238/ati d).


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