Die Information für Ärzte und Apotheker
Neutral, unabhängig und anzeigenfrei
arznei-telegramm®Die unabhängige Information zur Arzneitherapie.
Bestellen Sie ein Probeabo
vorheriger Artikela-t 1996; Nr. 10: 102nächster Artikel
Korrespondenz

ECSTASY UND DIE FOLGEN

Die Droge Ecstasy ist in aller Munde. Leider ist mir über deren Profil, Suchtpotential, Symptomatik der Benutzer, Risiken und Nebenwirkungen nichts bekannt...

Dr. med. M. HAHN
D-78250 Tengen

Ecstasy, chemisch Methylendioximethamfetamin (MDMA), ein Zwittermolekül zwischen Amfetamin und Meskalin, wird seinem Namen wenig gerecht: Nicht Ekstase, sondern amfetaminartige getriebene Erregung bestimmen das Wirkbild. Die Modedroge verhilft beispielsweise Diskogängern der Technoszene zu stundenlangem Tanz ohne Müdigkeit. Ecstasy gilt in Anwenderkreisen als harmlos. Schwere Angstzustände, Depressionen und akute, meist paranoide Psychosen kommen jedoch vor. Besonders bei körperlicher Verausgabung gefährden maligne Hyperthermie, schwere Hyponatriämie und Hirnödem bei Flüssigkeitsüberladung, disseminierte intravasale Gerinnung mit Hirnblutungen, Rhabdomyolyse, Nierenschaden und lebensbedrohliche Hepatotoxizität die Anwender. In Großbritannien starben seit 1988 mindestens 53 Menschen in Verbindung mit der Droge.1

Langzeitfolgen wiegen möglicherweise schwerer als akut toxische Effekte.2,3 Die erste Tablette gilt allgemein als die beste. Nach mehrfacher Einnahme nehmen die erwünschten Effekte ab, die unerwünschten zu – was eher als Folge neurotoxischer Wirkungen erklärt wird als durch Toleranzentwicklung.3 Bei Nagern und einigen Primaten gehen unter Ecstasy serotoninerge Neurone zugrunde. Bei Ratten genügt eine Einzeldosis mit Plasmaspiegeln, die denen von Personen mit akuten toxischen Reaktionen entsprechen. Im Versuch an Totenkopfaffen regenerieren sich betroffene Hirnareale selbst nach einem Jahr nicht. Eine direkte Schädigung des menschlichen Gehirns läßt sich nur schwer nachweisen. Beträchtliche Gedächtnisstörungen und psychiatrische Auffälligkeiten, die sich mit Störung des Serotoninstoffwechsels erklären lassen, werden der Droge aber angelastet,2 –Red.

1

Editorial: Lancet 347 (1996), 207

2

GREEN, A. R., G. M. GOODWIN: Brit. Med. J. 312 (1996), 1493,

3

MERRILL, J.: Brit. Med. J. 313 (1996), 423


© 1996 arznei-telegramm

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.

vorheriger Artikela-t 1996; Nr. 10: 102nächster Artikel