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Nebenwirkungen

CAVE: BESONDERE KARDIOTOXIZITÄT
VON NEUROLEPTIKUM PIMOZID (ANTALON, ORAP)

Vor Kammerarrhythmien und anderen EKG-Veränderungen in Verbindung mit dem Neuroleptikum Pimozid (ANTALON, ORAP) warnten wir in a-t 10 (1990), 92. Bis Anfang 1995 erhielt die britische Gesundheitsbehörde 40 Berichte über schwerwiegende kardiale Störwirkungen (vorwiegend Herzrhythmusstörungen) unter Pimozid. 16 endeten tödlich.1 Wegen dieser besonderen Gefährdung ist Pimozid in den USA nicht zur Behandlung von Schizophrenien zugelassen, sondern lediglich als Mittel der Reserve gegen schwere Tics beim TOURETTE-Syndrom.2 In Deutschland bietet Janssen ORAP zur "Erhaltungstherapie bei chronischen Psychosen des schizophrenen Formenkreises" an.3 An Stelle von Angaben über tödliche Risiken enthält die deutsche Fachinformation nur den pauschalen Hinweis: "Bei Anwendung von Neuroleptika liegen vereinzelt Beschreibungen über Veränderungen der Leberfunktionswerte, Blutbildveränderungen, Hypotonie, Tachykardie und EKG-Veränderungen vor... In Einzelfällen wurden ... ventrikuläre Arrhythmien beobachtet." 3

Der gleichzeitige Gebrauch von anderen Neuroleptika, trizyklischen Antidepressiva und Mitteln, die Elektrolytstörungen verursachen wie Diuretika oder wie Pimozid das QT-Intervall verlängern (a-t 6 [1996], 60), ist zu meiden.1 Dies gilt auch für die Kombination mit Makrolid-Antibiotika wie Azithromycin (ZITHROMAX), Clarithromycin (CYLLIND, KLACID) und Erythromycin (ERYTHROCIN u.a.). Zwei Patienten sterben, als sie neben Pimozid Clarithromycin einnehmen. In-vitro-Daten lassen unter Kombination mit Makroliden erhöhte Plasmaspiegel von Pimozid erwarten, das wegen seiner Halbwertszeit von 55 Stunden (individuell bis 150 Stunden) als schlecht steuerbar gilt. Arrhythmien können die Folge sein.4 In den USA ist die Tagesdosis auf 10 mg begrenzt, hierzulande auf 16 mg.3,4 Zudem weist die Produktinformation in den Vereinigten Staaten den gleichzeitigen Gebrauch von Makroliden jetzt als kontraindiziert aus. Janssen/Deutschland sieht keine Änderung der ORAP-Gebrauchsinformationen vor: Bei beiden Todesfällen sei "der Kausalzusammenhang mit Pimozid unklar".5 Nach gängiger Rechtsprechung erfordert jedoch bereits ein begründeter Verdacht Maßnahmen des Herstellers zur Risikoabwehr.

FAZIT: Wegen der besonderen lebensbedrohlichen Kardiotoxizität von Pimozid (ANTALON, ORAP) verbietet sich unseres Erachtens die Verwendung bei chronischen Psychosen, zumal bewährte Neuroleptika wie Haloperidol (HALDOL u.a.) und seine Depotformen zur Verfügung stehen.


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