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Kurz und bündig

Muslimische Kleidersitten und Vitamin-D-Mangel: Verschleierte muslimische Frauen konfrontieren uns mit einem Krankheitsbild, das längst vergessen schien: Mangel an Vitamin D und Kalzium (Rachitis, "englische Krankheit"). Die Synthese von Vitamin D in der menschlichen Haut hängt von der Intensität der UV-Strahlen im Sonnenlicht ab. In nördlichen Regionen ist die Sonneneinstrahlung im Winter gering. Wird die Bildung von Vitamin D im Sommer durch bedeckende Bekleidung stark behindert, fehlt ein ausreichendes Vitamin-D-Depot, das über den sonnenarmen Winter hilft. Aus Schweden kommt ein Bericht über neun muslimische Frauen mit Symptomen chronischen Vitamin-D-Mangels. Sie tragen voll deckende Kleidung und verzehren kaum Milchprodukte, dafür überwiegend Phytin-haltige, faserreiche Kost. Faserreiche Nahrung kann die Kalziumaufnahme behindern. Sojabohnenphytine scheinen dabei eine besondere Rolle zu spielen. Die Symptome beginnen mit Schmerzen in den Beinen und der Wirbelsäule. Eine Frau leidet sogar am "Milkman-Syndrom", einer in unseren Breiten seltenen Stoffwechselstörung des Knochengewebes mit spontanen, oft symmetrischen Ermüdungsbrüchen. Fast alle Frauen klagen über Empfindungsstörungen in der Haut. Da die Knochenveränderungen zunächst klinisch diskret bleiben können, kommt der Röntgendiagnostik der Beine Bedeutung zu. Die Behandlung erfordert die längerfristige Einnahme von Vitamin D3 (VIGANTOL u.a.), zusätzlich täglich mindestens 500 mg Kalzium (CALCIMAGON 500 Kautabletten u.a.) und ggf. auch Magnesium (MAGIUM Kautabletten u.a.; ZENKERT-ANDERSSON, K. et al.: Läkartidningen 93 [1996], 4153).


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