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Korrespondenz

WAS BRINGT GENTAMICIN IN KNOCHENZEMENT?

Gibt es gesicherte Indikationen für die Anwendung von gentamicinhaltigem Knochenzement (REFOBACIN-PALACOS)? Welche Auswirkungen hat die bei der Anwendung von Knochenzement (z.B. PALACOS) entstehende Wärme auf Gentamicin?

Dr. H. KELLER (Chefarzt)
DRK-Kliniken Mark Brandenburg, Med. Klinik III
D-13359 Berlin

Neue Zementierungstechniken haben die Langzeitprognose orthopädischer Implantate deutlich gebessert. Dennoch bleibt die Lockerung von Endoprothesen eines der Hauptprobleme. Bei den häufigeren aseptischen Lockerungen reicht einfacher Knochenzement (PALACOS) aus. Gentamicin-haltiger Knochenzement (REFOBACIN-PALACOS) erzielt bei der Implantation von Hüftgelenksprothesen vergleichbar gute Resultate wie eine parenterale perioperative Antibiotikaprophylaxe.1 Aus Gründen der Resistenzentwicklung* ist die Verwendung jedoch nicht zur Prophylaxe bei aseptischen Knochenoperationen angezeigt, sondern ausschließlich zur Therapie schwerbehandelbarer Knocheninfektionen. Wichtige Anwendungsgebiete sind z.B. operative Rekonstruktionen infizierter Hüft- und Kniegelenksendoprothesen.2,3

Nach Herstellerangaben kommt es bei der Aushärtung des Knochenzements kurzfristig zu einer Temperaturerhöhung. Diese variiert je nach Implantationsgebiet, bleibt jedoch um oder unterhalb von etwa 50° Celsius. Gentamicinsulfat gilt als chemisch und thermisch stabiles Antibiotikum, das sogar kurzfristiges Autoklavieren verträgt.4 Mit einem Abbau des Aminoglykosids während der Aushärtung des Knochenzementes ist daher nicht zu rechnen.

1

JOSEFSSON, G. et al.: Clin. Orthop. & Rel. Res. 292 (1993), 210

2

GARVIN, K. L. et al.: Clin. Orthop. & Rel. Res. 298 (1994), 97

3

GARVIN, K. L. et al.: Instructional Course Lectures 42 (1993), 293

4

Merck: Schreiben vom 12. Dezember 1996

*

Nach erst im Rahmen eines Firmensymposiums vorgetragenen Untersuchungen können subinhibitorische Gentamicin- Konzentrationen die Entwicklung langsam wachsender und lange persistierender Staphylokokken mit veränderten Stoffwechseleigenschaften begünstigen, -Red.

Dr. med. U. FRANK (Oberarzt)
Inst. f. Umweltmed. u. Hygiene, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
D-79106 Freiburg


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