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Korrespondenz

SELEN (SELENASE) BEI LYMPHÖDEM?

... Die Rote Liste nennt als Indikation für Na-Selenit (SELENASE) nachgewiesenen Selenmangel. Anders wird in Zeitschriften propagiert und u.a. die Indikation für die Behandlung bei Lymphödemen vertreten. Es soll ödemmindernd und Erysipel-prophylaktisch wirken... Damit es bei der Behandlung von Lymphgefäßerkrankungen nicht zu der unsinnigen Medikation kommt, wie sie bei der Behandlung von Venenerkrankungen bekannt ist, wäre frühzeitig eine kritische Würdigung dieser Therapieempfehlung angebracht...

Dr. med. A. U. BOCK
D-51439 Bergisch Gladbach

Das Lymphödem wird physikalisch behandelt: Manuelle Lymphdrainage, Kompression mittels Bandagen, Krankengymnastik und Hautpflege können im frühen Stadium die noch weiche Schwellung zurückbilden. Über Eiweißausfällung aus der Ödemflüssigkeit und nachfolgende Fibrosierung des Gewebes kann sich eine "lymphostatische Elefantiasis" entwickeln, beschleunigt durch rezidivierende Schübe von Wundrose (Erysipel).1

Selen (SELENASE u.a.) soll Ödemvolumen und Erysipelhäufigkeit senken.2,3 Zwei kleine Studien (80 bzw. 5 Teilnehmer über 3 bzw. 4 Wochen)2,4 eignen sich wegen methodischer Mängel (kurze Studiendauer, fehlende Standardisierung hinsichtlich Tageszeit, Lageabhängigkeit der Extremität, begleitender physikalischer Therapie u.a.) nicht zur Beurteilung der Wirksamkeit des teuren Halbmetalls (210-720 DM/Monat für 300-1.000 µg/Tag). Selen ist toxisch: Chronische Überladung (z.B. ab 800 µg/Tag)5 führt zu Abmagerung, Erbrechen, brüchigen Nägeln, Haarausfall u.a. (a-t 2 [1987], 22). Wir raten von Therapieversuchen mit Selen ab, -Red


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