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Schützt Selen vor Krebs? Das Spurenelement Selen ist als Bestandteil antioxidativer Enzyme wie der Glutathionperoxidase an der Reduktion von OH-Radikalen beteiligt. Wie von anderen Antioxidanzien, beispielsweise Vitamin E, erhofft man sich von der Selenzufuhr Schutz vor Krebs (a-t 11 [1994], 104). In einer aktuellen Fall-Kontroll-Studie bei Männern mit hohem Selengehalt in den Fußnägeln - als Maß für die Langzeitaufnahme - liegt das Risiko, an fortgeschrittenem Prostatakarzinom zu erkranken, gegenüber denjenigen mit niedrigen Konzentrationen um die Hälfte niedriger (YOSHIZAWA, K. et al.: J. Natl. Cancer Inst. 90 [1998], 1219 / ati d). Das Ergebnis ist vereinbar mit einer älteren randomisierten Interventionsstudie. Täglich 200 µg Selen sollen danach das Prostatakrebsrisiko gegenüber Plazebo auf ein Drittel herabsetzen. Karzinome der Vorsteherdrüse gehören in dieser Untersuchung jedoch zu einer Reihe sekundärer Endpunkte, die unzulässigerweise nachträglich in das Studienprotokoll aufgenommen wurden. Auch die sekundär untersuchten kolorektalen und bronchialen Karzinome nehmen gegenüber Scheinmedikament um die Hälfte ab, Brust- und Blasenkarzinome, Leukämien und Lymphome dagegen nicht. Auf den primären Endpunkt, Rezidiv von Hautkrebs, hat die Seleneinnahme ebenfalls keinen Einfluss (CLARK, L. C. et al.: J. Am. Med. Ass. 276 [1996], 1957). Die Behauptung, dass die Einnahme von Selen vor Krebs schützt, bleibt somit Spekulation. Vorbeugende Einnahme ohne Mangel erscheint uns nicht empfehlenswert, -Red.


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