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Kurz und bündig

Neue Wege gegen die Virusgrippe: Die Tage der Grippe seien gezählt, war auf einem internationalen Chemotherapiekongress in den Vereinigten Staaten (ICAAC) im September zu hören. Die von Laienmedien aufgegriffene Euphorie beruht auf neuen Wirkstoffen aus der Gruppe der Neuraminidase-Hemmer. Diese verhindern die Spaltung einer chemischen Bindung zwischen Zuckermolekülen der Wirtszelle und Oberflächenproteinen viraler Partikel. Die Ausbreitung der Infektion soll dadurch unterbunden werden. Das nasal sowie inhalativ anwendbare Zanamavir (RELENZA; GlaxoWellcome) steht in Europa und Kanada vor der Zulassung. Auch Roche hat eine Variante in der Pipeline (Scrip 2375 [1998], 20). Beide sollen sowohl gegen Influenza-A- als auch B-Viren wirken und Dauer und Schwere der Krankheit sowie die Häufigkeit von Folgeerkrankungen wie Bronchitis und Sinusitis verringern (HAYDEN, F. G. et al.: N. Engl. J. Med. 337 [1997], 874 / ati d). Prophylaktisch während der Wintermonate eingenommen, sollen die Mittel die Anzahl grippaler Erkrankungen um zwei Drittel senken (OSTROFF, S., J. HUGHES: Lancet 352 [1998], 1123). Direkte Vergleiche untereinander oder mit Amantadin (AMAN u.a.), dem einzigen bislang zugelassenen und nur gegen Influenza A wirksamen Mittel, fehlen. Häufige Störwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen schränken den Nutzen von Neuraminidase-Hemmern ein. Diese werden die Grippeimpfung nicht ersetzen können, sondern allenfalls Nischenindikationen ausfüllen bei Kontraindikation gegen die Impfung, Impfversagen durch Antigenshift oder zur Überbrückung, bis Schutz durch Impfung besteht. Eine intranasal anwendbare Vakzine ist in der Entwicklung (BELSHE, R. B. et al.: N. Engl. J. Med. 338 [1998], 1405).


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