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Schwere immunallergische Reaktion auf Troxerutin (VENORUTON INTENS u.a.): Ein 45-jähriger Patient nimmt wegen Krampfaderleiden dreimal täglich 500 mg Troxerutin (Hydroxyethylrutoside; VENORUTON INTENS) ein. Nach zwölf Tagen klagt er über Durchfälle, Fieberschübe bis 38,5 Grad Celsius und generalisierte Gelenkschmerzen. Die Blutsenkung ist deutlich beschleunigt, C-reaktives Protein erhöht. Eine infektiöse Ursache kann ausgeschlossen werden. Erst nach Absetzen des Rutosids klingen die Beschwerden innerhalb von 14 Tagen langsam ab. Nach einer Pause von vier Wochen nimmt der Patient das Mittel erneut ein. Bereits nach der zweiten Tablette setzen heftige generalisierte Gelenkschmerzen und -schwellungen ein. Zwei Wochen nach Absetzen ist er wieder beschwerdefrei (Bremer Modell, NETZWERK-Bericht 9729). Troxerutin gehört chemisch zu den Flavonoiden, die für immunallergische Reaktionen mit Hämolysen, Leberentzündungen, Nierenversagen u.a. bekannt sind (vgl. a-t 8 [1986], 72). Anfangs fallen oft Fieber und Magen-Darm-Beschwerden auf. Häufig lassen sich Antikörper gegen die Stoffe nachweisen, die als ursächlich für die Immunreaktion angesehen werden (SALAMA, A., C. MUELLER-ECKHARDT: Brit. Med. Haematol. 46 [1987], 263/ati d). Deutlicher zeitlicher Zusammenhang, Ausschluss anderer Ursachen oder Arzneimittel, pathogenetische Plausibilität, Rückbildung nach Absetzen und positive Reexposition sprechen bei dem Patienten eindeutig für eine Schädigung durch das Arzneimittel. Hinzu kommt ein positiver Lymphozyten-Transformations-Test: Noch sieben Wochen nach der letzten Einnahme lässt sich eine deutliche Sensibilisierung der Lymphozyten gegenüber Troxerutin nachweisen (Immunpathologisches Labor, Prof. Dr. BERG, Universität Tübingen). Der Nutzen von Flavonoiden/Rutosiden für die vielfältigen beanspruchten Indikationen ist fraglich, die Risiken sind gesichert, -Red.


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