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Kurz und bündig

FSME-Impfstoff TICOVAC - besonders für Kinder schlecht verträglich: Bereits einen Monat nach Einführung des FSME- IMMUN-Nachfolgeimpfstoffes TICOVAC muss Baxter per Rote-Hand-Brief warnen. Wegen häufiger Fieberreaktionen bei Kindern, insbesondere nach der ersten Teilimmunisierung, sowie der Gefahr von Fieberkrämpfen empfiehlt der Hersteller jetzt, für die Erstimpfung von Kindern bis zum vollendeten 15. Lebensjahr lediglich die halbe Impfdosis zu spritzen sowie bei Auftreten von Fieber die"rechtzeitige antipyretische Behandlung". Die TICOVAC Fertigspritze ist allerdings nicht markiert, so dass die halbe Dosis geschätzt werden muss, "zum Beispiel durch Abzählen der Tropfen" (s. oben; Rote-Hand- Brief, März 2000). Eine TICOVAC Kinderdosis soll erst gegen Ende des Jahres angeboten werden. Die Impfviren von TICOVAC werden im Unterschied zu FSME-IMMUN nur in Hühnerembryonalzellen und nicht zusätzlich in Maushirn angezüchtet. Auf Humanalbumin als Stabilisator und Thiomersal als Konservans wird verzichtet. Auch FSME-IMMUN ist seit einem Jahr Thiomersal-frei. Seit dieser Zeit fällt eine Zunahme der Fieberreaktionen unter FSME- IMMUN auf. Diese werden auf das fehlende Quecksilberkonservans zurückgeführt, das angeblich "immunmodulierend" wirke (BEICHE [Baxter], pers. Mitteilung vom 31. März 2000). Bei FSME-IMMUN wurde ein Hinweis auf Fieber und Fieberkrämpfe bei Kindern in die Gebrauchsinformation aufgenommen, jedoch keine spezielle Kinderdosis empfohlen. Im NETZWERK dokumentieren wir in Verbindung mit FSME-Impfungen 117 Berichte über Fieber sowie 22 über Grandmal- bzw. andere Krampfanfälle. Etwa jeder zweite Patient ist dabei jünger als 15 Jahre. Drei Kinder und drei Erwachsene reagieren nach Erstimpfung mit TICOVAC mit Fieber und Schüttelfrost. Ein fünfjähriger Junge ist mehrere Minuten lang nicht orientiert und hat Kloni am gesamten Körper, bei einem sechsjährigen Mädchen wird ein zehnminütiger Krampfanfall beschrieben (Berichte 10.483, 10.502). 1998 nahm Chiron Behring die im Vergleich zur Erwachsenen-Vakzine niedriger dosierte Kinderzubereitung ENCEPUR K auf Grund erhöhter Melderaten allergischer/pseudoallergischer Reaktionen vom Markt (vgl. a-t 1998; Nr. 5: 51). Die Impfung von Kindern gegen FSME erfordert also Zurückhaltung und eine besonders strenge Abwägung von Nutzen und Schaden, -Red.

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